Aretha Franklin vor einem Auftritt im Weißen Haus, 2015

Aretha Louise Franklin (* 25. März 1942 in Memphis, Tennessee; † 16. August 2018 in Detroit, Michigan[1]) war eine US-amerikanische Soul-Sängerin, Songwriterin und Pianistin. Wegen ihrer herausragenden Bedeutung für die Soulmusik wird sie auch „First Lady of Soul“ oder „Queen of Soul“ genannt. Ihr musikalisches Spektrum umfasste auch R&B, Gospel, Jazz, Pop und Dance.

Leben und Wirken

Aretha Franklins Geburtshaus in Memphis (406 Lucy Avenue)

Kindheit und Jugend

Aretha Franklin wurde am 25. März 1942 in Memphis, Tennessee geboren. Ihre Mutter (1917–52) war eine Klavierspielerin und Sängerin. Ihr Vater Clarence LaVaughn Franklin war ein bekannter Baptistenprediger.[2] Aretha wuchs mit vier Geschwistern in der Industriemetropole Detroit (US-Bundesstaat Michigan) auf. Durch ihren Vater kam sie schon früh mit der Musik in Berührung. Sie sang mit ihren beiden Schwestern Carolyn und Erma im Chor der „New Bethel Baptist Church“ ihres Vaters. Bekannte Musiker und Sänger wie Mahalia Jackson, Sam Cooke, Clara Ward und die erschienen zu den Gottesdiensten. Gesangs- und Klavierunterricht nahm Aretha bei dem Komponisten und Gospelsänger .

Karriere

1956 erschien ihre erste Schallplatte, ein Gospelalbum. Im Alter von 18 Jahren begann sie, neben Gospel auch Popmusik aufzunehmen. Bei Columbia Records wurde 1960 ihre erste Popschallplatte veröffentlicht. Die LP blieb zwar ohne Erfolg, eröffnete ihr aber eine neue Karriere als Clubsängerin. 1967 wechselte sie zu Atlantic Records. Dort schaffte sie den Durchbruch gleich mit ihrer ersten Single: I Never Loved a Man (The Way I Love You), die zusammen mit Do Right Woman, Do Right Man in Rick Halls FAME Studios in Muscle Shoals (Alabama) aufgenommen wurde, verkaufte sich über eine Million Mal.

Ende der 1960er-Jahre wurde sie zu einer der Ikonen der schwarzen Musik und erhielt ihren Beinamen „Queen of Soul“.[3] Ihr Nummer-eins-Hit Respect aus dem Jahr 1967 wurde zu einer Hymne der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung und schon bald zu einem der bedeutendsten Soul-Klassiker. Die Zeit bezeichnete den Song als „Manifest des schwarzen Befreiungskampfes“.[4] Das Thema des Songs machte Respect auch zu einer Hymne der Frauenbewegung.[5]

Franklin bei der Amtseinführung von US-Präsident Barack Obama im Januar 2009

Nach ihrem Auftritt in dem Film Blues Brothers wechselte sie 1980 zu Arista Records. Dort konnte sie mit weiteren Nummer-eins-Hits und Grammys an frühere Erfolge anknüpfen. Ihre erfolgreichsten Alben wurden Jump to It (produziert von Luther Vandross), Who’s Zoomin’ Who (produziert von Narada Michael Walden) und A Rose Is Still a Rose. In ihren Arista-Jahren nahm sie viele Duette auf, unter anderem I Knew You Were Waiting (For Me) mit George Michael, Sisters Are Doin’ It for Themselves mit den Eurythmics, Gimme Your Love mit James Brown und Through the Storm mit Elton John. Im Jahr 1986 erschien Jumpin’ Jack Flash, mit Keith Richards zusammen eingespielt, auf dem Album Aretha. 1998 sprang sie für Luciano Pavarotti ein und sang Puccinis Opernarie Nessun dorma. 2003 beendete sie ihre Zusammenarbeit mit dem Label Arista Records und gründete ein eigenes Label Aretha.[2] 2008 erschien ihr erstes Weihnachtsalbum This Christmas Aretha. 2011 erschien auf ihrem eigenen Label Aretha’s Records A Woman Falling Out of Love. Kurz darauf kehrte sie zu einem großen Label zurück und veröffentlichte 2014 auf RCA Records ein Coveralbum mit Pop- und Soulklassikern, wie beispielsweise der von Prince geschriebene Song Nothing Compares 2 U.

Aretha Franklin hielt lange den Rekord für die meisten Singles in den US-amerikanischen Charts, sie gehörte zu den Künstlern mit den meisten verkauften Tonträgern weltweit.[6] Sie unterstützte einige wohltätige Organisationen und politische Aktivisten, darunter die National Association for the Advancement of Colored People und die Special Olympics.[7]

Aretha Franklin hatte seit einem Zwischenfall im Jahr 1984 extreme Flugangst, weshalb sie seit Mitte der 1980er-Jahre ausschließlich in Nordamerika auftrat. 1983 besuchte sie zuletzt Europa.[8] 1999 erschien ihre Autobiografie From These Roots.

Privatleben

Franklin bekam ihren ersten Sohn Clarence 1955 im Alter von zwölf Jahren, den zweiten Sohn Edward 1957 mit vierzehn Jahren.[9] Von 1961 bis 1969 war sie mit Ted White verheiratet, der auch ihr Manager war. Er ist der Vater ihres 1964 geborenen Sohnes Ted Jr. Nach der Trennung von White bekam sie mit ihrem Tourmanager Ken Cunningham einen vierten Sohn, Kecalf.[10] Von 1978 bis 1984 war sie mit dem Schauspieler Glynn Turman verheiratet.[11]

Im Jahr 2010 wurde bei ihr Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert. Aretha Franklin erlag am 16. August 2018 im Alter von 76 Jahren ihrem Krebsleiden,[12] einem neuroendokrinen Tumor der Bauchspeicheldrüse.[13]

Diskografie

Studioalben

JahrTitelHöchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[14]
(Jahr, Titel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
DE DEAT ATCH CHUK UKUS USR&B R&B
1962The Tender, the Moving, the Swinging Aretha FranklinUS69
(12 Wo.)US
1965Runnin’ Out of FoolsUS84
(13 Wo.)US
R&B9
(1 Wo.)R&B
Yeah!!!US101
(8 Wo.)US
R&B8
(4 Wo.)R&B
Livealbum
1966Soul SisterUS132
(4 Wo.)US
R&B8
(8 Wo.)R&B
1967I Never Loved a Man the Way I Love YouUK36
(2 Wo.)UK
US2
(79 Wo.)US
R&B1
(66 Wo.)R&B
Aretha ArrivesUS5
Gold
Gold

(41 Wo.)US
R&B1
(28 Wo.)R&B
Take a Look at Aretha FranklinUS173
(8 Wo.)US
R&B22
(4 Wo.)R&B
Kompilation
1968Lady SoulDE18
(12 Wo.)DE
UK25
(18 Wo.)UK
US2
Gold
Gold

(52 Wo.)US
R&B1
(53 Wo.)R&B
Platz 85 der 500 besten Alben aller Zeiten (Rolling Stone)
Aretha NowDE26
(24 Wo.)DE
UK6
(11 Wo.)UK
US3
Gold
Gold

(35 Wo.)US
R&B1
(35 Wo.)R&B
1969Aretha in ParisUS13
(20 Wo.)US
R&B2
(21 Wo.)R&B
live aufgenommen am 7. Mai 1968 im Olympia
Aretha Franklin: Soul ’69US15
(32 Wo.)US
R&B1
(32 Wo.)R&B
Aretha Franklin: Soul ’69R&B29
(9 Wo.)R&B
1970This Girl’s in Love with YouUS17
(30 Wo.)US
R&B2
(31 Wo.)R&B
Spirit in the DarkUS25
(22 Wo.)US
R&B2
(26 Wo.)R&B
1971Aretha Live at Fillmore WestUS7
Gold
Gold

(34 Wo.)US
R&B1
(37 Wo.)R&B
1972Young, Gifted & BlackUS11
Gold
Gold

(31 Wo.)US
R&B2
(27 Wo.)R&B
Grammy (R&B Vocal Female)
Amazing GraceUS7
Doppelplatin
×2
Doppelplatin

(23 Wo.)US
R&B2
(19 Wo.)R&B
live aufgenommen und gefilmt in der New Temple Missionary Baptist Church in Los Angeles
Grammy (Soul Gospel); Grammy Hall of Fame
1973Hey Now Hey (The Other Side of the Sky)US30
(20 Wo.)US
R&B2
(21 Wo.)R&B
1974Let Me in Your LifeUS14
(25 Wo.)US
R&B1
(38 Wo.)R&B
1975With Everything I Feel in MeUS57
(13 Wo.)US
R&B6
(12 Wo.)R&B
YouUS83
(11 Wo.)US
R&B9
(14 Wo.)R&B
1976SparkleUS18
Gold
Gold

(24 Wo.)US
R&B1
(29 Wo.)R&B
1977Sweet PassionUS49
(19 Wo.)US
R&B6
(23 Wo.)R&B
1978Almighty FireUS63
(11 Wo.)US
R&B12
(13 Wo.)R&B
1979La DivaUS146
(6 Wo.)US
R&B25
(10 Wo.)R&B
1980ArethaR&B6
(37 Wo.)R&B
1981Love All the Hurt AwayUS36
(17 Wo.)US
R&B4
(23 Wo.)R&B
1982Jump to ItUS23
Gold
Gold

(30 Wo.)US
R&B1
(38 Wo.)R&B
Produzent: Luther Vandross
1983Get It RightUS36
(18 Wo.)US
R&B4
(26 Wo.)R&B
Produzent: Luther Vandross
1985Who’s Zoomin’ Who?DE46
(16 Wo.)DE
CH21
(8 Wo.)CH
UK49
Silber
Silber

(12 Wo.)UK
US13
Platin
Platin

(51 Wo.)US
R&B3
(51 Wo.)R&B
1986ArethaDE45
(3 Wo.)DE
CH23
(3 Wo.)CH
UK51
(13 Wo.)UK
US32
Gold
Gold

(39 Wo.)US
R&B7
(39 Wo.)R&B
Grammy (R&B Vocal Female)
1987One Lord, One Faith, One BaptismUS106
(16 Wo.)US
R&B25
(22 Wo.)R&B
live aufgenommen im Juli 1987 in der New Bethel Baptist Church in Detroit
Grammy (Soul Gospel Female)
1989Through the StormDE61
(10 Wo.)DE
CH19
(5 Wo.)CH
UK46
(1 Wo.)UK
US55
(18 Wo.)US
R&B21
(26 Wo.)R&B
1991What You See Is What You SweatAT34
(2 Wo.)AT
CH26
(6 Wo.)CH
US153
(7 Wo.)US
R&B28
(20 Wo.)R&B
1998A Rose Is Still a RoseAT46
(2 Wo.)AT
CH36
(6 Wo.)CH
US30
Gold
Gold

(15 Wo.)US
R&B7
(22 Wo.)R&B
VH1 Divas LiveDE39
(10 Wo.)DE
AT11
(12 Wo.)AT
CH11
(14 Wo.)CH
US21
(20 Wo.)US
2003So Damn HappyUS33
(11 Wo.)US
R&B11
(29 Wo.)R&B
2008This Christmas ArethaUS102
(7 Wo.)US
2011A Woman Falling Out of LoveUS54
(2 Wo.)US
R&B15
(10 Wo.)R&B
2014Sings the Great Diva ClassicsCH30
(2 Wo.)CH
UK32
(2 Wo.)UK
US13
(6 Wo.)US
R&B3
(14 Wo.)R&B

grau schraffiert: keine Chartdaten aus diesem Jahr verfügbar

Film und Fernsehen

Aretha Franklin wirkte in dem Spielfilm Blues Brothers (1980) und seinem Sequel Blues Brothers 2000 (1998) mit.

In einem Werbespot der Schokoriegel-Marke Snickers für das deutsche Fernsehen (2010) verkörperte Franklin eine Diva.[15] Den von Regisseur Craig Gillespie und Kameramann Emmanuel Lubezki für BBDO New York gedrehten Spot gab es in abgewandelter Form auch in den USA. Dort spielte Franklin neben Liza Minnelli, die einen zur Diva gewordenen Mann mimte. 2015 trat Franklin im Werbespot der Kreditkarte American Express auf, in dem sie aus ihrem Leben erzählte.[16]

1972 nahm Franklin an zwei Abenden das Live-Album auf: Es entstand in der Atmosphäre eines Live-Konzerts mit Publikum in der New Temple Missionary Baptist Church in Los Angeles. Die Aufnahmen wurden von einem Filmteam um den Regisseur Sydney Pollack gefilmt. Wegen eines technischen Fehlers konnten jedoch Ton- und Bildspur nicht synchronisiert werden, das Filmprojekt wurde aufgegeben. Als schließlich digitale Lösungen die Fertigstellung erlaubten, verweigerte Aretha Franklin die Erlaubnis zur Aufführung. Erst nach ihrem Tod konnte der Dokumentarfilm Aretha Franklin: Amazing Grace mit Einverständnis ihrer Familie gezeigt werden.[17] Er wurde am 12. November 2018 auf dem Dokumentarfilmfestival DOC NYC in New York City uraufgeführt.[18]

Ehrungen

Franklin erhielt zahlreiche Musikpreise, darunter auch 18 Grammy Awards.[7][19] Den Grammy Award for Best Female R&B Vocal Performance erhielt sie elfmal. Sie gehört zu den Interpreten mit den meisten verkauften Tonträgern weltweit.

  • 1986 ernannte das Parlament des Staates Michigan ihre Stimme zur National Resource.[2] Am 3. Januar 1987 wurde sie[20] als erste Frau in die ein Jahr zuvor gegründete Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.
  • Für ihr Duett mit Mary J. Blige erhielt Aretha Franklin im Frühjahr 2008 bei der 50. Grammy-Verleihung ihren 18. Grammy Award.[22]

Literatur

  • Mark Bego: Aretha Franklin – Queen of Soul. Edel, Hamburg 2012, ISBN 978-3-8419-0121-7.
  • Linda Solomon: The Queen Next Door: Aretha Franklin, an Intimate Portrait. Wayne State University Press, Detroit 2019, ISBN 978-0-8143-4728-7.

Weblinks

Commons: Aretha Franklin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Douglas Wolk and David Browne: Aretha Franklin, Queen of Soul, Dead at 76. In: Rolling Stone. 16. August 2018, abgerufen am 17. August 2018 (englisch).
  2. a b c Aretha Franklin in der Internet Movie Database (englisch)Fehler bei Vorlage * Parametername unbekannt (Vorlage:IMDb): 'id'
  3. Dartunorro Clark: How Aretha Franklin became Queen of Soul. In: NBC News. 16. August 2018, abgerufen am 7. Juli 2020 (englisch).
  4. Christian Staas: Aretha Franklin: Ein bisschen R-E-S-P-E-C-T. In: Die Zeit, 29. August 2015.
  5. Sheila Weller: The Untold History of Aretha Franklin’s Irrevocable „Respect“. In: Elle, 8. April 2016 (englisch).
  6. Billy Heller: Aretha Franklin’s secret life at Walmart. In: New York Post, 4. Juni 2014 (englisch).
  7. a b Artist: Aretha Franklin. In: Grammy.com (englisch).
  8. Interview, The Webdy Williams Show, März 2011, YouTube, ab Minute 2:00, abgerufen am 16. August 2011.
  9. Alex Johnson: Aretha Franklin's handwritten wills, if real, shed light on a titanic — and complicated — life. In: NBC. 22. Mai 2019, abgerufen am 8. August 2020 (englisch).
  10. Isabel Jones: Inside Aretha Franklin's Complicated Family History. In: Instyle.com. Meredith Beauty Group, 13. August 2018, abgerufen am 8. August 2020 (englisch).
  11. David Ritz: Respect: The Life of Aretha Franklin. Little, Brown and Company, New York 2014, ISBN 9780316196833, S. 58–59.
  12. Aretha Franklin, "Queen of Soul," is dead at 76. CBS News, 16. August 2018, abgerufen am 16. August 2018 (englisch).
  13. The Agonizingly Slow Progress Against The Cancer That Killed Aretha Franklin. In: forbes.com. 16. August 2018, abgerufen am 17. August 2018 (englisch).
  14. Chartquellen: DE AT CH UK US US R&B Alben US R&B Singles
  15. Silke Joosten: BBDO & SNICKERS beweisen, dass man nicht man selbst ist, wenn man Hunger hat (Memento vom 25. September 2011 im Internet Archive). In: BBDO.de, 13. August 2010.
  16. Video bei YouTube.
  17. Katharina Granzin: Film „Aretha Franklin: Amazing Grace“: Gesang aus einer anderen Dimension. In: Die Tageszeitung: taz. 28. November 2019, ISSN 0931-9085 (taz.de).
  18. Amazing Grace (2018) - Release Info. In: IMDb. Abgerufen am 9. April 2019.
  19. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Soulsängerin Aretha Franklin ist tot
  20. Great Names: Aretha Franklin. In: Hamilton.edu (englisch), 5. April 2008 (englisch).
  21. a b Analysis by Saba Hamedy, CNN: Aretha Franklin and the US presidents: A look back. In: CNN. (cnn.com [abgerufen am 16. August 2018]).
  22. https://www.grammy.com/grammys/artists/aretha-franklin
  23. 100 Greatest Singers of All Time. In: Rolling Stone, 2. Dezember 2010 (englisch); 100 Greatest Artists of All Time. In: Rolling Stone, 2. Dezember 2010 (englisch).
  24. Passauer Neue Presse: Aretha Franklin posthum mit Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Abgerufen am 16. April 2019.
  25. The 2019 Pulitzer Prize Winner in Special Awards and Citations (englisch), abgerufen am 16. April 2019