Jethro Tull ¦ Stand Up

CHF 33.00 inkl. MwSt

LP (Album, Gatefold)

Noch 1 Exemplar(e) vorrätig

GTIN: 0190295932855 Artist: Genres & Stile: , ,

Zusätzliche Information

Format

Inhalt

Ausgabe

,

Release

Veröffentlichung Stand Up:

1969

Hörbeispiel(e) Stand Up:





Stand Up auf Wikipedia (oder andere Quellen):

Stand Up
Studioalbum von Jethro Tull

Veröffent-
lichung(en)

1. August 1969

Aufnahme

April 1969

Label(s)Island, Chrysalis

Format(e)

LP, CD

Genre(s)

Rock, Folk-Rock, Progressive Rock

Titel (Anzahl)

10

Länge

37 min 48 s

Besetzung

Produktion

Terry Ellis und Ian Anderson

Studio(s)

Morgan Studio, London

Chronologie
This WasStand UpBenefit

Stand Up ist das zweite Studioalbum der britischen Progressive-Rock-Band Jethro Tull. Es wurde im April 1969 im Morgan Studio in London aufgenommen und im selben Jahr in Großbritannien veröffentlicht (Island ILPS 9103). Es ist das einzige Album von Jethro Tull, das den ersten Platz in den britischen Charts erreichte.[1] In den Vereinigten Staaten kam es auf Platz 20.[2]

Besetzung

Nachdem der Gitarrist Mick Abrahams aufgrund musikalischer Differenzen mit Ian Anderson die Band verlassen hatte, und nach einem kurzen Gastspiel von Tony Iommi, dem späteren Gitarristen und Gründungsmitglied von Black Sabbath, kam Martin Lancelot Barre zu Jethro Tull. Er sollte von da an neben Anderson das einzige dauerhafte Mitglied der Band sein. Ian Anderson übernahm ab diesem Album allein die Aufgabe des Stückeschreibens.

Der zum Zeitpunkt der Aufnahme 21-jährige Anderson ist auf dem Album als Sänger und Multiinstrumentalist tätig: er spielt Querflöte, akustische Gitarre, Hammond-Orgel, Klavier, Mandoline, Balalaika und Mundharmonika. Martin Barre spielt E-Gitarre und (zweite) Querflöte, Clive Bunker Schlagzeug und Perkussion, während Glenn Cornick E-Bass spielt.

Die Streicher-Beiträge in Reasons for Waiting wurden von David Palmer, der später Mitglied von Jethro Tull wurde, arrangiert und dirigiert.

Geschichte

Durch den Ausstieg von Mick Abrahams verschob sich auch die musikalische Ausrichtung der Band. War das erste Album This Was noch teilweise dem Blues zuzurechnen, ist auf Stand Up meist Progressive Rock mit Folk-Rock-Einflüssen zu hören.

Das Stück We Used to Know wird oft mit Hotel California von den Eagles verglichen, das später entstand. Ein Urheberrechtsverfahren hat jedoch nicht stattgefunden.

2001 erschien das Album remastered mit vier Extratiteln auf CD. 2010 wurde eine Collector’s Edition („Sammlerausgabe“) mit Zusatzmaterial auf zwei CD und DVD veröffentlicht.[3] 2016 erschien das Album als "Steven Wilson-Stereo-Remix" (LP, CD).

Album

LP-Version

A New Day Yesterday ist ein Bluesrock-Stück, in dem E-Gitarre und Querflöte dominieren, aber auch eine Mundharmonika vorkommt. Die häufig wiederkehrende Riff von E-Bass und E-Gitarre wird schon zu Beginn gespielt. Der Sänger hat „gestern“ eine Frau kennengelernt und den Tag mit ihr genossen. Er ist traurig, dass er „heute“ fort muss.[4]

Jeffrey Goes to Leicester Square bezieht sich auf Ian Andersons Freund Jeffrey Hammond, der in dem Lied eine Frau am Leicester Square beobachtet, die sich städtisch und gebildet gibt und damit für Jeffrey als Partnerin ausscheidet. Das Stück ist wenig eingängig, rhythmisch komplex und trotzdem liedhaft.

Bourée (mit nur einem ‚r‘ geschrieben) ist ein Instrumental, das auf der Bourrée aus Johann Sebastian Bachs Suite für Laute in e-moll, BWV 996 beruht. Das Stück besteht aus drei Teilen: dem Thema, einer jazzigen Improvisation, in der Querflöte und E-Bass dominieren, und der Wiederaufnahme des Themas, diesmal mit zwei Flöten.[4] Die Übergänge sind fließend.

Back to the Family schildert das Gefühl der Anspannung, wenn der Sänger unterwegs – auf Tournee – ist und sich nach seinem Zuhause sehnt, aber auch das Gefühl der Sehnsucht nach der Stadt, wenn der Sänger zuhause ist. Das Stück beginnt mit der Strophe im Stil der Beatmusik, dann wird es mit dem Einstieg der Querflöte rockiger. Die zweite Strophe entspricht musikalisch der ersten, bevor das Stück bis zum Schluss noch rockiger wird.

Look into the Sun ist ein langsames Stück mit einem Intro der akustischen Gitarre; später mit E-Gitarre und E-Bass ein wenig rockiger werdend. Der Sänger ist traurig, dass er seine Liebe noch nicht gefunden hat, hofft aber weiterhin und „schaut in die Sonne“.[4]

Nothing Is Easy ist ein schneller Rocksong mit E-Gitarre, das von der Querflöte eingeleitet wird. Auf den Titel „Nichts ist einfach“ antwortet der Sänger, dass man sich das Leben nicht zu schwer machen soll; bei ihm stünde die Sorge um das „Kleingeld“ an letzter Stelle – notfalls solle man die Musik von Jethro Tull hören.

Fat Man ist ein humorvoll gespieltes, folkiges Lied, in dem sich der Sänger freut, nicht dick zu sein. Der einzige Vorteil des Dickseins sei, dass man schneller einen Berg hinunterrollen könne.[5]

We Used to Know bezieht auf die Vorläufer-Band von Jethro Tull, John Evan Smash, als die Bandmitglieder unter bescheidenen Bedingungen lebten und mehrere Mitglieder die Band verließen. Das Stück beginnt sofort mit Gesang. Der Rhythmus ist ruhig, die Querflöte und die E-Gitarre spielen Soli.

Reasons for Waiting ist ein Liebeslied, in dem der Sänger eine Frau im Schlaf betrachtet. Er kam von weit her, um sie lächeln zu sehen. In dem poetischen Text malt er sich die Zukunft aus. Das Stück ist von akustischer Gitarre, der Querflöte und der Orgel bestimmt, bevor ein Streichorchester hinzukommt. Die Rhythmik ist komplex.

In dem Lied For a Thousand Mothers verarbeitet Ian Anderson sein getrübtes Verhältnis zu seinen Eltern. Es richtet sich an alle Mütter, die sich den Ambitionen ihrer Kinder entgegengestellt haben.[5] Dieser Rocksong wird vor allem durch Querflöte und Schlagzeug angetrieben. Den Schluss bildet eine etwa 45 Sekunden lange Reprise.

Extratitel

Die vier Extratitel der CD-Ausgabe von 2010 stammen von zwei Singles, die etwa zur selben Zeit wie Stand Up veröffentlicht wurden.

Living in the Past ist ein ruhiges, im Verlauf dynamischer werdendes Stück im Fünf-Viertel-Takt. Der Sänger appelliert an seine Partnerin, mit ihm in der Vergangenheit zu leben, in der es keinen Krieg und keine Revolution gibt. Der Driving Song ist durch sein E-Bass-Riff und ein Querflötensolo bestimmt und handelt von einem Arbeitnehmer, der endlich nicht mehr „getrieben“ werden möchte.

Sweet Dream ist ein rockiges, melodisches Stück mit E-Gitarren-Solo und Streichern, in dem der Sänger davon träumt, weg von zu Hause zu sein und selbstständig leben zu können.

Das beatartige 17 bezieht sich auf einen 21-Jährigen, der sich an die Zeit als 17-Jähriger erinnert.

Cover

Das Originalcover zeigt eine leicht karikaturistische, als Holzschnitt gefertigte Zeichnung der vier Bandmitglieder in Schwarz-Gelb sowie in gleichen Farben den Titel und den Bandnamen. Im Inneren des Klappcovers gibt es ein schwarz-gelbes Blumenmuster. Darauf ist ein Pappschild mit den – bis auf den Kopf – gezeichneten Bildern der Musiker so aufgeklebt, dass sie beim Öffnen des Covers „aufstehen“. Die Rückseite ist überwiegend weiß mit einem runden Bild in der Mitte, das die vier Musiker im Stil der Vorderseite von hinten zeigt. Das Cover schuf der New Yorker Jimmy Grashow nach Ideen von Terry Ellis und John Williams.[6]

Titelliste

Alle Texte und Kompositionen von Ian Anderson, wenn nichts anderes angegeben.

Seite 1

  1. A New Day Yesterday – 4:06
  2. Jeffrey Goes to Leicester Square – 2:08
  3. Bourée (Bach, arr. Anderson) – 3:43
  4. Back to the Family – 3:48
  5. Look into the Sun – 4:18

Seite 2

  1. Nothing Is Easy – 4:21
  2. Fat Man – 2:49
  3. We Used to Know – 3:56
  4. Reasons for Waiting – 4:02
  5. For a Thousand Mothers – 4:12

Spielzeiten stammen von der LP, die der CD weichen leicht ab.

Auf der 2001 remasterten CD sind zusätzlich noch folgende vier Titel enthalten

  1. Living in the Past – 3:23
  2. Driving Song – 2:44
  3. Sweet Dream – 4:05
  4. 17 – 3:07

Collector’s Edition

CD 1

Titel wie oben und dazu Radioaufnahmen aus John Peels Top Gear Session.

  • Bourée
  • A New Day Yesterday
  • Nothing Is Easy
  • Fat Man

CD 2 – Live at Carnegie Hall, 1970

  1. Nothing Is Easy
  2. My God
  3. With You There to Help Me
  4. By Kind Permission of
  5. A Song for Jeffrey
  6. To Cry You a Song
  7. Sossity, You’re a Woman
  8. Reasons for Waiting
  9. Dharma for One
  10. We Used to Know
  11. Guitar Solo
  12. For a Thousand Mothers

DVD

Die DVD enthält das Konzert und ein Interview mit Ian Anderson.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Stand Up in den britischen Charts
  2. Stand Up in den Billboard 200
  3. Zur Collector’s Edition (Memento vom 25. April 2013 im Internet Archive)
  4. a b c Texte und Interpretationen bei cupofwonder.com (Archivversion)
  5. a b Texte und Interpretationen bei cupofwonder.com (Archivversion)
  6. Cover-Text von Stand Up, CHR 1042

Artist(s)

Veröffentlichungen von Jethro Tull die im OTRS erhältlich sind/waren:

Stormwatch ¦ Nothing Is Easy: Live At The Isle Of Wight 1970 ¦ Living With The Past ¦ A: A La Mode ¦ This Was ¦ Heavy Horses ¦ Stand Up ¦ Songs From The Wood

Jethro Tull auf Wikipedia (oder andere Quellen):

Jethro Tull
Jethro Tull September 1973
Jethro Tull September 1973
Allgemeine Informationen
HerkunftBlackpool, England
Genre(s)Progressive Rock, Hard Rock, Blues-Rock, Folk-Rock
Gründung1967, 2017
Auflösung2012
Websitejethrotull.com
Gründungsmitglieder
Ian Anderson
Mick Abrahams (bis 1968)
Clive Bunker (bis 1971)
Glenn Cornick(bis 1970)
Aktuelle Besetzung
Gesang, Querflöte, Bouzouki, Mandoline, Mundharmonika
Ian Anderson
Gitarre
Joe Parrish[1] (seit 2019)
John O’Hara
(2007–2012, seit 2017)
Schlagzeug
Scott Hammond
(2011, seit 2017)
David Goodier
(2007–2012, seit 2017)
Ehemalige Mitglieder
Gitarre
Tony Iommi (1968)
Gitarre
Martin Barre (1968–2012)
Gitarre
Florian Opahle (2012–2019)[2]
Bass
Jeffrey Hammond-Hammond (1971–1975)
Bass
John Glascock(1976–1979)
Bass
Tony Williams (1978–1979)
Bass
Dave Pegg (1979–1995)
Bass
Jonathan Noyce (1995–2007)
Keyboard
John Evan (1970–1980)
David Palmer (1976–1980)
Keyboard
Eddie Jobson (1980–1981)
Keyboard
Peter-John Vettese (1981–1987)
Keyboard
Don Airey (1987)
Keyboard
Maartin Allcock † (1988–1991)
Keyboard
Andrew Giddings (1991–2007)
Schlagzeug
Barriemore Barlow (1971–1979)
Schlagzeug
Mark Craney † (1980–1981)
Schlagzeug
Paul Burgess (1981–1983)
Gerry Conway
(1981–1983, 1987)
Schlagzeug
(1991–1992)
Schlagzeug
Doane Perry (1984–2011)

Jethro Tull ist eine 1967 gegründete britische Rockband. Ständiges Mitglied und Bandleader ist der Komponist, Multiinstrumentalist und Sänger Ian Anderson (Gesang, Querflöte, Saxophon, Tin Whistle, Mundharmonika, akustische Gitarre, Mandoline und andere).

Jethro Tull ist die einzige international erfolgreiche Band der Rockgeschichte, in deren Musik die Querflöte eine tragende Rolle einnimmt. Charakteristisch sind perfektionierte Techniken des forcierten Ausdrucks, etwa scharfes Anblasen, Flatterzunge und gleichzeitiger Stimmeinsatz. Der musikalische Stil der Band wird weithin dem Progressive Rock und Hard Rock und partiell dem Blues- und Folk-Rock zugeordnet. Zudem verarbeitete Jethro Tull Einflüsse aus Jazz, Weltmusik und elektronischer Musik.

Bandgeschichte

Frühe Jahre

Im November 1967 wurde Jethro Tull von Ian Anderson, Mick Abrahams, Glenn Cornick und Clive Bunker in Blackpool, damals Teil der Grafschaft Lancashire, gegründet. Anfangs trat sie unter der Bezeichnung The Four Fingers auf. Als sie das erste Mal im legendären Londoner Marquee Club gebucht wurde, hatte sie ein historisch versierter Buchungsagent „Jethro Tull“ genannt, und dabei blieb es.[3] Jethro Tull lebte im 18. Jahrhundert und gilt als einer der Begründer der modernen Landwirtschaft.

Am Beginn ihrer Laufbahn tourte Jethro Tull durch zahlreiche Musikclubs in England. Im Marquee Club spielte die Formation regelmäßig und fand schnell eine Fangemeinde. Beim Sunbury Jazzfestival im Sommer 1968 kam der Durchbruch für Jethro Tull.

Das erste Album This Was (1968) war sehr bluesorientiert, doch sind mit dem markanten Gesang und der Querflöte Ian Andersons bereits einige Aspekte des späteren Stils präsent. Nach dem Ausstieg des auf den Blues fokussierten Gitarristen Mick Abrahams, der auf dem Debütalbum etwa den gleichen Anteil am Songwriting hatte wie Ian Anderson, wurde das musikalische Spektrum deutlich erweitert. Exemplarisch sei die Adaption der Bourrée aus der Suite für Laute in e-Moll (BWV 996) von Johann Sebastian Bach genannt, die sich auf dem zweiten Album Stand Up (1969) weit vom Bluesrock des Erstlings entfernt: Zunächst das Bach-Thema andeutend, entwickelt sich eine treibende, präzise Jazzrock-Nummer mit einem Flötensolo.

Eine der wenigen kommerziell erfolgreichen Single-Veröffentlichungen ist der frühe Song Living in the Past von 1969 im 5/4-Takt. Im selben Jahr tourte die Band mehrmals in den USA und wurde auch dort bekannt. 1970 erschien das Album Benefit.

Ihren größten Erfolg erreichte die Band mit Aqualung (1971) und dem Titel Locomotive Breath.

Progressive Rock (1972–1976)

Dem Nachfolgealbum Thick as a Brick (1972) wurden verschiedene musikalische Themen zu einer größeren musikalischen Einheit zusammengefasst. Mit A Passion Play wurde 1973 ein weiteres, kommerziell weniger erfolgreiches Konzeptalbum veröffentlicht. Die darauf erreichte Komplexität polarisierte Fans und Kritiker – von krasser Ablehnung bis zur Einschätzung als dem wichtigsten Album der Band. Die nachfolgenden Alben wurden wieder in Form einzelner Songs strukturiert, wobei bis 1980 neben wenigen eingängigeren Liedern vor allem komplex arrangierte Stücke das Bild prägen.

Folk-Rock (1977–1979)

Die Alben Songs from the Wood (1977), Heavy Horses (1978) und mit Einschränkungen noch Stormwatch (1979) werden oft unter dem Etikett „Folk-Rock-Phase“ zusammengefasst. Dies erscheint vordergründig aufgrund der weitgehend akustischen Instrumentierung und der Textbezüge zum Leben auf dem Land und zu Naturmythen nachvollziehbar, aber aufgrund der eigenständigen Kompositionen und der für die traditionelle Folkmusik eher untypischen Komplexität der Arrangements, vor allem auf Songs from the Wood, auch irreführend. Hinzu kam, dass ab Stormwatch auch zunehmend Politik eine textliche Rolle einnahm; so kritisierte besagtes Album die Ölförderung in der Nordsee.

Electronic-Rock (1980–1984)

Das Folgealbum A (1980) wies mit Texten über Frühwarnanlagen und Zivilschutz Bezüge zur Atompolitik auf.

Ab 1982 war der maßgebliche Schlagzeuger der Band Doane Perry. Eine Ausnahme ist das wieder in hohem Maße polarisierende Album Under Wraps aus dem Jahr 1984. Der starke Einfluss des im Umgang mit den neuen digitalen Synthesizern versierten Keyboarders Peter-John Vettese sowie ein von Ian Anderson programmierter Drumcomputer, führten noch einmal zu einem (in Teilen) sehr komplex arrangierten Album. Es kam auf diese Weise zum Teil zu Drumtracks, die ein menschlicher Schlagzeuger kaum reproduzieren kann. Energetisch ist auch Ian Andersons Gesangsleistung, die dieser selbst in Interviews als die beste seiner Karriere bezeichnete. Fatalerweise stellten die neuen Stücke bei der anschließenden Tournee derartig hohe Anforderungen an Ian Andersons Stimmbänder, dass diese nachhaltig geschädigt wurden. Dies schränkte noch jahrelang die gesanglichen Möglichkeiten Andersons ein. Anstatt Musik zu machen kümmerte er sich einige Jahre um Lachse, Schafe und Tierschutz.[4]

Hard Rock (1987–1994)

Jethro Tull 2006 bei einem Konzert in Budapest

Das nach dem geteilten Echo und den Stimmproblemen erst 1987 veröffentlichte Crest of a Knave beendete die Phase eines keyboarddominierten Sounds und rückte das eindringliche E-Gitarren-Spiel Martin Barres stärker in den Vordergrund als auf allen bisherigen Alben. 1989 gewann Jethro Tull mit diesem Album den ersten und einzigen je vergebenen Grammy in der Sparte Beste Hard-Rock-/Metal-Darbietung – Gesang oder Instrumental.

Weltmusik-Einfluss (1995–2000)

Als das innovativste Album der 1990er Jahre wird oft Roots to Branches (1995) betrachtet. Im Gegensatz zu den Alben der frühen 1980er Jahre steht auf diesem Album Andersons Flötenspiel im Vordergrund. Es sind erstmals deutliche Einflüsse traditioneller orientalischer Musik zu hören, und erstmals verwendet Anderson bei einigen Stücken Bambus-Querflöten, deren offene Grifflöcher im Gegensatz zur Klappenmechanik der Böhm-Flöte Techniken wie Pitchbending und Glissando ermöglichen, bei denen die Tonhöhe stufenlos verändert wird. 1999 erschien das Album J-Tull Dot Com, das in den deutschen Charts Platz 14 belegte.

Ausklang (2000–2011)

Nach dem Album Dot Com von 1999 folgte eine längere Phase von Konzerten, aber ohne Studioalben.

Ende 2003 wurde das Christmas Album veröffentlicht, für das ältere Stücke neu eingespielt wurden und neues Material passend zum Arbeitstitel geschrieben wurde. Es ist das derzeit letzte Studioalbum von Jethro Tull.

2005 erschien das Album Ian Anderson Plays the Orchestral Jethro Tull, an dem auch David Goodier und John O’Hara sowie der Gitarrist Florian Opahle beteiligt waren. 2007 verließen der Bassist Jonathan Noyce und der Keyboarder Andrew Giddings die Band und wurden durch Goodier und O’Hara ersetzt. 2008 bis 2011 ging Jethro Tull auf „40th Anniversary Tour“ bis „43rd Anniversary Tour“.[5]

Jethro Tull Night of the Prog Lorelei, 21. Juli 2007

Inaktivität von Jethro Tull (2012–2015)

Im Jahr 2012 verließ der langjährige Gitarrist Martin Barre offiziell die Band. Florian Opahle, der Gitarrist der zunehmend aktiveren Alternativbesetzung, hatte Barre bereits mehrmals vertreten. Barre sowie Ian Anderson tourten mit jeweils eigenen Bands, mit denen sie auch neue Studioalben einspielen, wobei auf Album-Covern und Konzertankündigungen weiterhin der Name Jethro Tull Verwendung fand.

Vierzig Jahre nach dem ersten Teil veröffentlichte Anderson im Jahr 2012 Thick as a Brick 2 – wie 1972 ein sowohl im Libretto als auch musikalisch verwobenes Konzeptalbum, das sich stilistisch zwischen den akustisch orientierten vorangegangenen Soloalben Andersons und hartem Rock bewegt. Es wurde von Anderson mit der „Ian Anderson Touring Band“ eingespielt, die auch die folgende Tournee bestritt. Ihr gehören mit Goodier und O’Hara zwei ehemalige Jethro-Tull-Mitglieder sowie Opahle, der Schlagzeuger Scott Hammond und als zusätzlicher Sänger Ryan O’Donnell an.

Jethro Tull beim Konzert in Zagreb am 13. Oktober 2018

2014 folgte das Konzeptalbum Homo Erraticus („Der wandernde Mensch“), das von der Vorgeschichte bis in die Zukunft prognostizierend achttausend Jahre menschlicher Migration behandelt. In den Liner Notes erklärt Anderson, dass er künftig unter eigenem Namen auftreten werde, zumal fast das gesamte Werk der Band von ihm stamme. Er verwies auch darauf, dass „Jethro Tull“ der Name eines anderen Mannes sei und die Band nur zufällig so genannt wurde.[6] Die Ian Anderson Touring Band tourte seit 2015 mit dem Projekt Jethro Tull – The Rock Opera, das textlich modifiziertes Tull-Repertoire und neue Rocksongs über den Namensgeber der Band, Jethro Tull, mit aufwändigen Videoproduktionen auf die Bühne bringt, wobei neben dem Konzeptcharakter auch verschiedene, zum Teil über Videoeinspielungen eingewobene Gesangsrollen dem Format der Rockoper entsprechen. Zum ersten Mal war eine Sängerin dabei: die Isländerin Unnur Birna Björnsdóttir, die auch Violine spielt.[7] Die Tour 2016 führte durch Europa und in die USA.

Neubeginn (seit 2017)

2017 folgten Auftritte unter der Bezeichnung Jethro Tull by Ian Anderson in Australien und Neuseeland sowie in Osteuropa.Im Jahr 2018 tourte Jethro Tull anlässlich ihres 50. Jubiläums durch Europa und Nordamerika. Schwerpunkt waren die ersten 10 Jahre.[8][9] In einem Interview sieht Anderson die Wiedervereinigung von Jethro Tull nicht ganz unkritisch und bezieht sich sogar direkt auf den Wikipedia-Artikel zur Band.[10] Neuer Gitarrist ist seit November 2019 Joe Parrish.[11] Die Tour 2020 wurde wegen Corona auf 2021 verschoben.[12]

Charakteristika der Band

Die Geschichte der Band ist durch oftmals wechselnde Besetzungen geprägt. Ian Anderson strebt es an, kompetente Musiker um sich zu scharen, die in der Lage sind, auch seine musikalischen Ideen adäquat umzusetzen – sowohl im Studio als auch auf der Bühne. Die Live-Auftritte von Jethro Tull waren dementsprechend von großer musikalischer Professionalität gekennzeichnet. Den ab 1969 bestehenden Kern von Jethro Tull bildeten Frontmann Anderson und Gitarrist Martin Barre.

Markenzeichen von Jethro Tull ist das virtuose rock-orientierte Flötenspiel des Sängers und Komponisten Ian Anderson. Zahlreiche Kompositionen sind durch die Verwendung von Molltonarten, eine starke Dynamik, häufigen Taktwechsel sowie vielfältige Synkopen und Offbeats geprägt. Allerdings gibt es bei Jethro Tull auch etliche balladeske Stücke, die aber durch einfallsreiche Instrumentierung und Phrasierung stets Tull-typische rockige Akzente erhalten. Viele der Texte Ian Andersons sind originell, teilweise skurril, und handeln bei aller Hintergründigkeit von alltäglichen Menschen und Begebenheiten.

Ian Anderson mit Jethro Tull in Butzbach, Deutschland, am 6. Juni 2007

Bandmitglieder

Mitglieder von Jethro Tull von 1967 bis 2006

Gastmusiker

  • Phil Collins spielte bei zwei Stücken am 21. Juli 1982 Schlagzeug
  • Florian Opahle ist seit 2004 auf einigen Live-Mitschnitten zu hören und zu sehen
  • Maddy Prior sang auf der LP Too Old to Rock ’n’ Roll: Too Young to Die! im Hintergrund
  • Angela Allen sang ebenfalls auf Too Old to Rock ’n’ Roll: Too Young to Die! im Hintergrund
  • Anna Phoebe begleitete ab 2007 einige Lieder auf der Violine[13]
  • Egill Ólafsson von der isländischen Band Þursaflokkurinn sang beim Konzert am 9. Juni 2013 in der Harpa in Reykjavík bei mehreren Titeln mit und spielte bei One White Duck / 010 = Nothing at All zudem Gitarre. Außerdem wurde Brúðkaupsvísur, ein Þursaflokkurinn-Klassiker, gespielt, den Égill Ólafsson komponiert hat.

Auszeichnungen

Diskografie

Studioalben

Livealben
Chronologisch aufsteigend nach dem Zeitpunkt der Einspielung, nicht nach dem der Veröffentlichung:

  • Nothing Is Easy: Live At The Isle Of Wight 1970 (veröffentlicht 2005)
  • Bursting Out, 1978
  • Live at Madison Square Garden 1978 (veröffentlicht 2009)
  • Live at Hammersmith ’84 (veröffentlicht 1990)
  • In Concert (At The Hammersmith Odeon, 8th October 1991) (veröffentlicht 1995)
  • A Little Light Music, 1992
  • Living With the Past, 2002
  • Live at Montreux 2003 (veröffentlicht 2007)
  • Aqualung Live, 2005
  • The Jethro Tull Christmas Album and Christmas at St Bride’s (2-CD-Set, zweite CD Live), 2008

Literatur

  • David Rees: Minstrels in the Gallery – Die Geschichte von Jethro Tull. Star Cluster Verlag Zimmermann, Balve, c 2001, ISBN 3-925005-60-9.
  • Didi Zill, Hermann Büchner: Jethro Tull. Die legendäre Band in Fotografien von 1969 bis 1984. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2003, ISBN 3-89602-462-0.
  • Karl Schramm: Jethro Tull Songbook. Palmyra, Heidelberg 1993, ISBN 3-9802298-5-8.
  • Wolfgang und Kevin Thomas: Jethro Tull Over Germany. Siegener Rock-Museum, Siegen 2012, ISBN 978-3-00-037254-4.

Weblinks

Commons: Jethro Tull – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Jethro Tull: MUSICIANS. jethrotull.com, 1. November 2019, abgerufen am 12. Februar 2021 (englisch).
  2. Jethro Tulls neuer Mann: Florian Opahle. In: Gitarre & Bass. Nr. 7 2012, S. 38.
  3. FAQ auf der Jethro-Tull-Website (Memento vom 17. März 2009 im Internet Archive) (englisch)
  4. Jethro Tull. kino.de, abgerufen am 12. Februar 2021.
  5. Website von Doane Perry (englisch), abgerufen am 22. April 2014
  6. Liner Notes von Homo Erraticus (englisch)
  7. Jethro Tull: The Rock Opera Musicians (2015–present) (englisch), abgerufen am 14. Mai 2016
  8. tull tour dates. Abgerufen am 12. Februar 2021.
  9. Olaf Neumann: Im Gespräch: Ian Anderson zur Jubiläumstour von Jethro Tull, Der frühe Vogel des Rock. kulturjoker.de, 1. Juli 2018, abgerufen am 12. Februar 2021.
  10. Fraser Lewry: Ian Anderson on reuniting Jethro Tull: "it's a tricky one". loudersound.com, 6. Februar 2021, abgerufen am 12. Februar 2021 (englisch).
  11. Ian Anderson: Jethro Tull. twitter.com, 1. November 2019, abgerufen am 11. Februar 2021 (englisch).
  12. Lena Christ: Wintertermine ebenfalls verschoben, Jethro Tull: Ian Anderson 2021 im Sommer und Herbst auf Deutschlandtour. regioactive.de, 19. Oktober 2020, abgerufen am 12. Februar 2021.
  13. Anna Phoebe bei jethrotull.com (englisch), abgerufen am 28. November 2015
  14. Die Übergabe ist dokumentiert auf der Konzert-DVD Passion Flute – Live 2005.
  15. RogorMortis: Ian Anderson/ Jethro Tull. auralmoon.com, 20. April 2009, abgerufen am 12. Februar 2021 (englisch).
  16. Steve Dancey: Ian Anderson - Prog Rock God. dailyecho.co.uk, 25. April 2014, abgerufen am 12. Februar 2021 (englisch).

Bewertungen

Es gibt noch keine Bewertungen.

Nur angemeldete Kunden, die dieses Produkt gekauft haben, dürfen eine Bewertung abgeben.

Jethro Tull ¦ Stand Up
CHF 33.00 inkl. MwSt