John Coltrane ¦ Both Directions At Once: The Lost Album

CHF 53.00 inkl. MwSt

2LP (Album, Gatefold)

Noch 1 Exemplar(e) vorrätig

GTIN: 0602567493013 Artist: Genres & Stile: ,

Zusätzliche Information

Format

Inhalt

Ausgabe

,

Extras

,

Label

,

Release

Veröffentlichung Both Directions At Once: The Lost Album:

2018

Hörbeispiel(e) Both Directions At Once: The Lost Album:

Standard Edition:





Deluxe Edition:





Both Directions At Once: The Lost Album auf Wikipedia (oder andere Quellen):

Both Directions at Once: The Lost Album
Studioalbum von John Coltrane

Veröffent-
lichung(en)

29. Juni 2018

Aufnahme

6. März 1963

Label(s)Impulse! Records

Format(e)

CD, LP

Genre(s)

Modaler Jazz, Post-Bop

Titel (Anzahl)

7 / 14

Besetzung

Produktion

Bob Thiele, Harry Weinger, Ken Druker, Ravi Coltrane

Studio(s)

Van Gelder Studio, Englewood Cliffs

Chronologie
Chasing Trane - The John Coltrane Documentary (Original Soundtrack)
(2017)
Both Directions at Once: The Lost Album Blue World
(2019)
John Coltrane 1963 bei seiner Ankunft auf dem Flughafen Schiphol. Rechts Michiel de Ruyter

Both Directions at Once: The Lost Album ist ein Jazz-Album von John Coltrane, das am 6. März 1963 in Englewood Cliffs, New Jersey aufgenommen wurde. Nachdem es nach 55 Jahren wiederentdeckt wurde, erschien es am 29. Juni 2018 bei Impulse! Records als Einzel-CD bzw. LP, in erweiterter Form auch als Doppelalbum. Sonny Rollins verglich das Auftauchen der Bänder damit, als hätte man eine neue Kammer der Cheops-Pyramide gefunden.[1]

Hintergrund

Die eintägige Session, die das Album einfängt, war mit Coltranes sogenannter Classic-Quartet-Besetzung aufgenommen worden: Neben John Coltrane am Tenor- und Sopransaxophon spielten in Rudy Van Gelders Studio Jimmy Garrison (Bass), Elvin Jones (Schlagzeug) und McCoy Tyner (Klavier). Die Bänder der Aufnahme verblieben damals im Studio und wurden dem Spiegel zufolge zunächst angeblich einfach vergessen.[2]

Die Masterbänder von Both Directions at Once waren einem anderen Narrativ zufolge vermutlich das Opfer „kollektiver Knauserigkeit und Kurzsichtigkeit.“ Nachdem das Label Impulse! 1967 an die Westküste der USA gezogen war, wurde die Sammlung der Masterbänder eingelagert. Anfang der 1970er-Jahre, als die Geschäfte des Mutterlabels ABC nicht mehr rund liefen, entschied die Unternehmensleitung aus Kostengründen, Bänder von Aufnahmen zu entsorgen, die unveröffentlicht geblieben waren. So landeten wahrscheinlich auch die Masterbänder der Coltrane-Session im Abfall.[3]

Coltrane nahm eine Kopie der Aufnahmen mit nach Hause. Diese Referenzkopie in Mono war nach dessen Tod nicht mehr auffindbar. Erst im letzten Jahr entdeckte die Familie seiner ersten Ehefrau Juanita Naima (1923–1996, geborene Grubbs) im Nachlass der Witwe jenes Band und brachte es zu Impulse! Records. Einer der Söhne Coltranes aus zweiter Ehe, Ravi Coltrane, überwachte die Produktion und rekonstruierte die Reihenfolge, die seinem Vater vermutlich vorgeschwebt hatte.[4] Demnach befand sich sein Vater zum Zeitpunkt der Aufnahmen „mit einem Fuß in der Vergangenheit und mit dem anderen in der Zukunft“ (with one foot in the past and one foot headed towards his future), worauf sich der Albumtitel bezieht.[5]

Das Album enthält die bislang einzige Studioversion von „Impressions“, den langen „Slow Blues“ und die Ballade „Nature Boy“.[4] Weiterhin befinden sich auf dem Album zwei unbekannte Stücke, die nach den Bandnummern benannt wurden, „Untitled Original 11383“ (ein Blues auf dem Sopransaxophon) und „Untitled Original 11386“, eine Referenz an Coltranes Fassung des Musicalhits „My Favorite Things“. Nach Lewis Porter erinnert es zwar im strukturellen Aufbau daran; er hält es aber auch für möglich, dass es von McCoy Tyner stammt.[6] Mit „Vilia“ bezieht sich Coltrane auf das gleichnamige Lied aus Franz Lehárs Die lustige Witwe (1905). Das Album schließt mit „One Up, One Down“, das bislang nur in einem Bootleg-Mitschnitt aus dem New Yorker Birdland, aber nicht als Studioversion existierte.[1] Der Coltrane-Klassiker Impressions hatte auf der Box der nun gefundenen Aufnahmen noch keinen Titel.[7] Es sind vier Takes vorhanden. Im gleichen Jahr 1963 erschien das gleichnamige Album Impressions bei Impulse mit einer Live-Aufnahme aus dem Village Vanguard vom November 1961.[8]

Both Directions at Once entstand in einer sehr produktiven Periode Coltranes und seines Quartetts; in dieser Zeit nahm die Band Ballads und Impressions auf; außerdem ein Album mit Duke Ellington. Während der Session hatte das Coltrane-Quartett ein zweiwöchiges Engagement im New Yorker Jazzclub Birdland; einen Tag nach dem Studiotermin folgte eine weitere Impulse-Session Coltranes (John Coltrane and Johnny Hartman) mit dem Sänger Johnny Hartman.[1] Die Aufnahmedaten des Coltrane-Hartman-Albums werden häufig auch als 6. und 7. März 1963 angegeben[9], es war aber in der Coltrane-Literatur auch bekannt, dass am 6. März noch weitere Aufnahmen ohne Hartman entstanden.[10] Nach Ashley Kahn[11] nahm Coltrane sehr viel für Impulse auf, was auch nicht unbedingt unmittelbar veröffentlicht wurde, so dass selbst Coltrane den Überblick verlor. Bob Thiele unterstützte ihn dabei auch gegen die Plattenbosse und ging mit ihm auch nachts heimlich ins Studio. Thiele schlug ihm hin und wieder populärere Projekte vor (so entstanden die Aufnahmen mit Ellington und Hartman), die letzte Entscheidung auch über das musikalische Material hatte aber immer der Star des Labels Coltrane. Ein Problem für Thiele war, dass Coltrane fast nie mit einer ersten Aufnahme zufrieden war und auf mehreren Takes für jedes Stück drängte, was auch bei der nun entdeckten Session vom 6. März so war. Zwei Tage früher nahm McCoy Tyner im selben Studio von Rudy van Gelder sein Trio-Album Nights of Ballads and Blues auf.

Das war nicht das erste Mal, dass unveröffentlichtes Material von Coltrane aus seinen Impulse-Jahren auftauchte, und hängt mit dem Schicksal der Masterbänder der Aufnahmen zusammen.[12] Eine erste gründliche Suche nach unveröffentlichtem Coltrane-Material in den Archiven von Impulse bei ABC stellte Michael Cuscuna ab 1978 an, was sich in einer Reihe von Veröffentlichungen spiegelte. Nach Cuscuna waren die Archive damals in einem üblen Zustand[13] Er musste aber oft mit Masterbändern der zweiten oder dritten Generation arbeiten. Eigentlich hatte Thiele nach dem Tod von Coltrane alle Masterbänder Alice Coltrane übergeben (und er hatte zusätzliche Kopien aller Aufnahmen mit Coltrane anfertigen lassen). Thiele war bewusst, dass Aufnahmen leicht in den Labelarchiven verschwinden oder vernichtet werden konnten, und er sah das als Maßnahme, das Werk Coltranes zu erhalten. Es existierten aber gemäß einer bei einigen großen Labels mit entsprechenden finanziellen Mitteln üblichen Praxis zwei Masterbänder. Die zweiten Bänder übergab er Anfang der 1990er-Jahre seiner ehemaligen High School in New Jersey, von wo sie an das Institute for Jazz Studies der Rutgers University kamen, die sie dem Impulse-Nachfolger Verve zur Verfügung stellten (das führte 2002 zu Deluxe-Ausgaben von Ballads und Coltrane). Bei einer Auktion in New York wurden 2005 33 Originalbänder von Coltrane-Sessions bei Impulse versteigert, darunter von der Coltrane-Hartman-Session, nicht verwendete Studioaufnahmen für Impressions und eine unveröffentlichte Aufnahmesitzung des Quartetts vom 6. März, also dem Tag vor der Hartman-Aufnahme.[14] Die Bänder stammten aus dem Besitz der Verwandtschaft von Coltrane in Philadelphia.[15]

Titelliste

Standard-Version

Seite 1
1. Untitled Original 11383 – 5:41
2. Nature Boy (Eden Ahbez) – 3:23
3. Untitled Original 11386 – 8:38
4. Vilia (Franz Lehár) – 5:32
Seite 2
5. Impressions – 4:31
6. Slow Blues – 11:26
7. One Up, One Down – 7:58

Deluxe-Version

Seite 1
1. Untitled Original 11383 (Take 1) – 5:41
2. Nature Boy (Eden Ahbez) – 3:24
3. Untitled Original 11386 (Take 1) – 8:43
4. Vilia (Take 3) (Franz Lehár) – 5:33
Seite 2
5. Impressions (Take 3) – 4:36
6. Slow Blues – 11:29
7. One Up, One Down (Take 1) – 8:02
Seite 3
8. Vilia (Take 5) (Franz Lehár) – 4:37
9. Impressions (Take 1) – 4:07
10. Impressions (Take 2) – 4:38
11. Impressions (Take 4) – 3:40
Seite 4
12. Untitled Original 11386 (Take 2) – 8:41
13. Untitled Original 11386 (Take 5) – 8:23
14. One Up, One Down (Take 6) – 7:18

Rezeption

QuelleBewertung
Allmusic[16]
Rolling Stone[17]
The Guardian[18]
All About Jazz[19]
Laut.de[20]

Für den britischen Guardian fängt die Session John Coltrane an einem Kreuzungspunkt seiner Karriere ein; zwei Jahre vor Ascension, in dem er sein Quartett für eine experimentelle, spirituell-orientierte Bigband öffnete, steuerte er bereits 1963 schon in Richtung Free-Jazz-Klänge. Auch Impressions (1963) enthielt schon einige raue Solos, die völlig verschieden sind von der vorigen noch vom Bebop geprägten Ära. Nichtsdestotrotz war er in dieser Zeit immer noch von Melodien angetan, wie in einem seiner zugänglicheren Alben Ballads (1963) zu hören. Auch „Untitled Original 11386“ zeige das Quartett in einem traditionellen Stil, in dem zwischen den beiden Solos ein melodischer Chorus aufgegriffen wird. Das Album enthalte Coltranes erste Version von dem durch Nat King Cole bekannten Song „Nature Boy“ und ist – im Unterschied zu der freieren Version von 1965 (auf The John Coltrane Quartet Plays) – ein geradeheraus gespielter, dreiminütiger Take ohne Solos.[1]

Ben Ratliff, Autor von Coltrane: the Story of a Sound meinte:

„Das ist Coltrane mit seinem Quartett, das in die letzte Phase seiner stabilen und maßgeblichen Phase eintritt, in der sie oft die gleiche Handvoll Songs interpretierten. Hier gibt es kein Konzept oder großartigen Entwurf. Aber er probiert ein paar neue Songs aus, spielt einen eigenwilligen Blues und eine gut-abgestimmte Version von Impressions - und das ist schon eine Menge.“
This is Coltrane’s quartet starting to move into the last stages of their stable and authoritative phase, when they were often playing the same handful of songs. There’s no concept or grand design here. But he’s trying some new tunes, and playing a strange blues, and fine-tuning Impressions – and that’s a lot.[1]
Elvin Jones 1963 bei der Ankunft am Flughafen Schiphol. Rechts Michiel de Ruyter

Für Wayne Shorter, der für die Liner Notes des Albums interviewt wurde, bezieht sich der Titel Both Directions at Once auf eine kompositorische Empfehlung, die ihm Coltrane gegeben habe (about starting a sentence in the middle, and then going to the beginning and the end of it at the same time.) Der Jazzkritiker des Guardian, John Fordham sieht hingegen eine andere Bedeutung: „Coltrane blickte auf den Bebop zurück – die Virtuosität und die melodischen Ressourcen, die er bis an die Grenze der Belastbarkeit ausgedehnt hatte – und der Song-basierte Lyrizismus des Jazz, den er zu dieser Zeit mit Duke Ellington und Johnny Hartman erforschte. Aber er schaute auch nach vorn, indem er sich eine intensivere, Mantra-ähnliche, spirituell angetriebene Musik vorstellte, was schließlich 1964 in A Love Supreme mündete.“[1] Der Guardian wertete das Album als „Jazzalbum des Monats“.[21]

Der Rolling Stone vergab viereinhalb von fünf Punkten, räumte aber ein, man solle kein Meisterwerk wie Blue Train oder A Love Supreme erwarten; es sei besser, das Album als ein Schlüsseldokument für den Übergang des Quartetts in ein neues Stadium zu betrachten.[22]

Evan Parker meinte in einem Interview, die Veröffentlichung sei sehr willkommen, das „klassische Quartett“ sei es gewesen, mit dem Coltrane sein bestes Werk vorgelegt habe. Parker hob insbesondere Coltranes Zusammenspiel mit Elvin Jones hervor; das sei „der Kern dieser Musik,... die erstaunliche Grade intuitiven Verständnisses“ erreiche.[1]

Andrian Kreye hob in seiner Besprechung des Albums in der Süddeutschen Zeitung besonders den „Slow Blues“ hervor; es zeige, „welche Kraft Coltranes musikalischer Intellekt entwickelte“. Der Blues sei für Modernisten schon immer eine Herausforderung gewesen, „weil es schwer ist, aus der schlichten Form so auszubrechen, dass sie trotzdem erhalten bleibt. Elf Minuten feuert Coltrane auf dieser Aufnahme eine Improvisation über das Schema, kurz nur unterbrochen von einem Tyner-Solo, das wie ein Boxenstopp für seine übertourigen Synapsen wirkt.“ Die Ballade „Nature Boy“, wohl „ein Zugeständnis an den Zeitgeschmack“, spiele Coltrane „mit viel Zartgefühl“. Das bislang unbekannte Stück „Untitled Original 11383“ sei „ein durchdringender Blues auf dem Sopran“, mit „One Up, One Down“ „schießt Coltrane zum Schluss nochmals aus dem Bop in die Stratosphäre der Freiheit“.[4]

Nach Giovanni Russonello[23] gab es unter den acht Quartett-Alben, die Coltrane bei Impulse! veröffentlichte, zuvor nur zwei, Crescent (1964) und Coltrane (1962), die das Live-Ethos des klassischen Quartetts überlieferten, und mit der nun vorgelegten Erstveröffentlichung ein drittes Beispiel.

Reinhard Köchl sinnierte in der Zeit über den Zeitpunkt der Session:

„Warum er trotz [seines] prall gefüllten Terminkalenders in die Studios von Rudy van Gelder in Englewood Cliffs fuhr, auf die andere Seite des Hudsons, lässt sich nur erahnen. Vielleicht folgte er einfach seinem Instinkt, ahnend, dass er just in diesem Moment wahrscheinlich die Höhe seiner Spielkunst erreicht hatte, die es unbedingt galt, zu dokumentieren. “[24]

Hans-Jürgen Schaal beurteilt das Album hingegen nüchterner: „Es macht große Freude, diese vier Könner mit unverbrauchten Tönen und Läufen zu hören, ihre frische, souveräne Direktheit im Musizieren, die heute im Jazz so gar nicht mehr möglich zu sein scheint. Die Jazzbücher aber muss man deswegen nicht gleich umschreiben.“[25]

Chartplatzierungen und Auszeichnungen

Mit Both Directions at Once war erstmals ein Coltrane-Album unter den US-amerikanischen Billboard-Top-40;[26] es gelangte auf Position 21 der Charts.[27] In Deutschland platzierte sich das Album in den Monaten Juli und August 2018 für zwei Monate an der Spitze der deutschen Jazzcharts und belegte ebenfalls am Jahresende den ersten Rang der Jazz-Jahrescharts, was das Album zum meistvertriebenen Jazzprodukt auf dem deutschen Musikmarkt im Jahr 2018 macht.[28][29][30] Darüber hinaus erreichte Both Directions at Once ebenfalls für einen Monat die Chartspitze der deutschen Vinylcharts.[31] Das Album gewann 2018 den Reader's Poll der Zeitschrift JazzTimes in der Kategorie Historical/Vault/Reissue Release.[32] beim der 2010er Jahre des National Public Radio siegte das Album in der Kategorie Rare Avis vor Miles Davis & John Coltrane, The Final Tour: The Bootleg Series, Vol. 6, Eric Dolphy, Musical Prophet: The Expanded 1963 New York Studio Sessions, The Savory Collection 1935–1940 und Charles Mingus, Jazz in Detroit/Strata Concert Gallery/46 Selden.[33]

Editorischer Hinweis

Both Directions at Once: The Lost Album erschien sowohl in einer Einzel-CD-Ausgabe (mit sieben Stücken) als auch in einer Luxus-Edition, die zusätzlich sieben Alternate takes enthält, etwa zwei weitere Fassungen von Impressions.[34]

Der Titel „Vilia“ wurde zuvor bereits 1965 auf der Impulse-Kompilation The Definitive Jazz Scene Vol. 3 (A-9101) veröffentlicht.[35] Das ist der einzige Tracks, der schon einmal veröffentlicht war.

Weblinks/Quellen

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g 'A new room in the Great Pyramid': lost 1963 John Coltrane album discovered. The Guardian, 8. Juni 2018, abgerufen am 8. Juni 2018 (englisch).
  2. Album von John Coltrane nach 55 Jahren wiederentdeckt. Der Spiegel, 8. Juni 2018, abgerufen am 8. Juni 2018.
  3. J.D. Considine: Coltrane’s ‘Lost’ 1963 Studio Album Found. Down Beat, 8. Juni 2018, abgerufen am 8. Juni 2018 (englisch).
  4. a b c Andrian Kreye: Der Fund Süddeutsche Zeitung vom 9./10. Juni 2018, S. 16
  5. Iana Kaplan: John Coltrane: Lost 1963 recording will be released as album. The Independent, 7. Juni 2018, abgerufen am 7. Juni 2018 (englisch).
  6. Lewis Porter, zitiert von Russonello, Lost John Coltrane Recording From 1963 Will Be Released at Last, The New York Times, 6. Juni 2018
  7. Russonello, New York Times, 7. Juni 2018
  8. Das Album ist auch ein typisches Beispiel für die Zusammenstellung von Coltrane-Alben bei Impulse, denn es findet sich darauf auch eine Studio-Aufnahme vom 29. April 1963. Weitere Teile der Studio-Session tauchten bei einer Auktion in New York 2005 auf.
  9. J. C. Thomas, Chasing the Bird, Da Capo 1976, S. 249
  10. Davon wurde nur die unten erwähnte Vilia-Aufnahme veröffentlicht. Lewis Porter, John Coltrane, University of Michigan Press 1999, S. 369, vermerkt in der Chronologie von Coltrane, dass am 6. März im Rudy van Gelder Studio Aufnahmen entstanden, die nur teilweise veröffentlicht wurden, und die Aufnahmen mit Johnny Hartman erst am 7. März entstanden.
  11. Kahn, Impulse - Das Label, das Coltrane erschuf, Roger und Bernhard 2007, S. 112. Dort wird Bob Thiele zitiert.
  12. Dargestellt in Ashley Kahn, Impulse, S. 310ff
  13. Ashley Kahn, Impulse, S. 310
  14. Kahn, Impulse, S. 313
  15. Ashley Kahn war nicht ganz klar, wie sie dahin gelangten, er vermutete aber ebenso wenig wie bei den Bändern von Bob Thiele unlautere Motive.
  16. Review von Stephen Thomas Erlewine auf allmusic.com (abgerufen am 25. Juni 2018)
  17. Review von Hank Shteamer auf rollingstone.com (abgerufen am 27. Juni 2018)
  18. Review von John Fordham auf theguardian.com (abgerufen am 29. Juni 2018)
  19. Review von Mike Jurkovic auf allaboutjazz.com (abgerufen am 29. Juni 2018)
  20. Review von Ulf Kubanke auf laut.de (abgerufen am 29. Juni 2018)
  21. Jazz album of the month – John Coltrane: Both Directions at Once: The Lost Album
  22. John Coltrane's New 'Lost Album' Captures a Day in the Life of His Greatest Band, Rolling Stone
  23. Giovanni Russonello, Lost John Coltrane Recording From 1963 Will Be Released at Last, The New York Times, 6. Juni 2018
  24. Reinhard Köchl: Der Meister, zum Abheben bereit. Die Zeit, 4. Juli 2018, abgerufen am 4. Juli 2018.
  25. Hans-Jürgen Schaal: Both Directions at Once: The Lost Album. Jazz thing, 24. September 2018, abgerufen am 27. September 2018.
  26. John Coltrane Earns First Billboard Top 40 Entry With 'The Lost Album. Forbes, 10. Juli 2018, abgerufen am 24. März 2019 (englisch).
  27. Tim Peacock: 'Both Directions At Once' Yields John Coltrane’s Highest Ever Global Chart Success. udiscovermusic.com, 10. Juli 2018, abgerufen am 24. März 2019 (englisch).
  28. GfK Jazz Charts Juli 2018. (Memento vom 23. August 2018 im Internet Archive) jazzecho.de, abgerufen am 13. Mai 2020.
  29. GfK Jazz Charts August 2018. (Memento vom 24. September 2018 im Internet Archive) jazzecho.de, abgerufen am 13. Mai 2020.
  30. gfk Entertainment: John Coltranes “Lost Album” führt Jazz-Jahrescharts 2018 an. offiziellecharts.de, 18. Dezember 2018, abgerufen am 8. Mai 2020.
  31. John Coltrane – Both Directions at Once – The Lost Album. offiziellecharts.de, abgerufen am 12. April 2019.
  32. 2018 Readers’ Poll Results. JazzTimes, 31. Januar 2019, abgerufen am 10. Februar 2019 (englisch).
  33. Francis Davis: The 2018 NPR Music Jazz Critics Poll. National Public Radio, 5. Januar 2019, abgerufen am 24. März 2019 (englisch).
  34. Lost John Coltrane Album Resurfaces. Impulse! to release March ’63 session as "Both Directions at Once" on June 29. JazzTimes, 8. Juni 2018, abgerufen am 8. Juni 2018 (englisch).
  35. The Definitive Jazz Scene Volume 3 bei Discogs

Artist(s)

Veröffentlichungen von John Coltrane die im OTRS erhältlich sind/waren:

Impressions Graz 1962 ¦ The Final Tour: Copenhagen, March 24, 1960 ¦ Giant Steps ¦ Both Directions At Once: The Lost Album ¦ OST Chasing Trane: The John Coltrane Documentary ¦ Another Side Of John Coltrane ¦ A Love Supreme: Live In Seattle

John Coltrane auf Wikipedia (oder andere Quellen):

John Coltrane (1963)

John William „Trane“ Coltrane (* 23. September 1926 in , Richmond County, North Carolina; † 17. Juli 1967 in Huntington, New York) war ein bedeutender US-amerikanischer Jazzmusiker. Anfangs spielte er Altsaxophon, ab den frühen 1950er Jahren fast ausschließlich Tenor- und ab 1960 auch Sopransaxophon. Seine Innovationen und sein inspiriertes Spiel beeinflussten die Jazzwelt nachhaltig.[1]

Sein Stil

Coltranes eigener Stil entwickelte sich in der Ära des Modern Jazz vom Hard Bop bis zum Modalen Jazz und geht schließlich sogar zum Free Jazz über. In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre entfaltete er, unter anderem von Dexter Gordon beeinflusst und über Charlie Parker hinausgehend, seine eigene Spielweise, die einen sehr durchdringenden hellen Klang auf seinem Tenorsaxophon mit extremer rhythmischer Verdichtung der Notenwerte verband, bei gleichzeitiger Erweiterung und Verfeinerung des Bebop-Vokabulars im harmonisch-melodischen Bereich. Diese Spielweise wurde von dem amerikanischen Jazzkritiker Ira Gitler mit dem Begriff „sheets of sounds“ (Übersetzung: „Klangflächen“) bezeichnet. Nachdem Coltrane durch seine Zusammenarbeit mit Miles Davis die modale Spielweise kennengelernt hatte, vertiefte er sich in zunehmendem Maße in Experimente mit Skalen und deren Möglichkeiten. Auch von der indischen Musik (Ravi Shankar) beeinflusst fiel die Wahl des Vornamens für einen seiner Söhne auf Ravi, Ausdruck seiner Bewunderung für den Sitar-Virtuosen. Ab Mitte der 1960er Jahre öffnete er sich auch freien Spielformen, wie etwa auf dem Album Ascension (1965), und erforschte in seinem Spiel die sich ihm dadurch bietenden Möglichkeiten konsequent. All diese Erkundungen und Erkenntnisse fanden Eingang in seine letzte Platteneinspielung Expression, die von vielen als Vermächtnis gesehen wird.

Leben und Werk

High Point heute

1926–1945 – High Point und Philadelphia

John Coltranes Mutter, Alice Gertrude Blair (1898–1977), stammte aus einer bekannten und geachteten Familie in im Bundesstaat North Carolina; ihr Vater war Reverend William Wilson Blair, der die methodistische Episcopal Zion Church in High Point leitete.[2] Nach ihrer Graduierung zog Alice Blair nach Hamlet und lernte die Familie des Predigers William H. Coltrane kennen. Dessen Sohn war John Robert Coltrane (1901–1939); Anfang 1925 heirateten die beiden. Coltrane war der Name weißer schottischstämmiger Familien, die den Nachnamen an ihre damaligen Sklaven weitergegeben hatten.[3] Ein erstes Kind starb schon bald nach der Geburt; am 23. September 1926 kam John William zur Welt, dessen zweiter Vorname nach den beiden Großvätern gewählt wurde. Schon wenige Monate nach Johns Geburt zog die Familie nach High Point zu den Geschwistern der Mutter. Johns Tante Bettie und seine Cousine Mary (* 1927) wurden nun zu wichtigen Bezugspersonen; später sollte er Mary seine Komposition „Cousin Mary“ widmen.

John wuchs in einem geordneten Umfeld auf, das stark durch die Blair-Verwandtschaft und das religiöse Milieu der Methodisten-Gemeinde bestimmt war, während die Familie Coltrane eine weniger bedeutsame Rolle spielte. Über den Großvater kam Coltrane schon als kleines Kind mit geistlicher Musik in Berührung. Seine Familie war musikalisch, sein Vater spielte mehrere Instrumente. Mit zwölf Jahren bekam er von den Eltern seine erste Klarinette geschenkt und nahm klassischen Musikunterricht. Bis zu seinem zwölften Lebensjahr soll seine Kindheit sehr glücklich gewesen sein; eine Reihe von Todesfällen überschattete schließlich das Jahr 1939; so starben kurz hintereinander erst seine Tante, im Januar sein Vater an Magenkrebs; im April seine Großmutter. In dieser Zeit wurde die Musik zu einem wichtigen Bestandteil des jungen Coltrane.[4] Ab September 1939 besuchte er die Highschool.

Nach dem Tod des Vaters, der in einer Wäscherei gearbeitet hatte, geriet die Familie in finanzielle Schwierigkeiten; während John sein letztes Jahr auf der Highschool verbrachte, zog Alice 1942 nach Philadelphia, wo sie eine Anstellung als Dienstmädchen fand; die Mutter konnte das Geld für die Musikschule gerade so aufbringen.

Das Wohnhaus von John Coltrane in der North Thirty-Third Street von Philadelphia.

Ihr Sohn, beschrieben als ruhiger und eher stiller Schüler, spielte schon bald im Schulorchester und Fußball. In der Highschool-Zeit lernte er Altsaxophon und machte erste Gehversuche im Jazz, beeinflusst durch schwarze Swing-Bands, die im Radio gesendet wurden, vor allem aber durch Lester Young, der als einer der ersten gängige Swingklischees vermied.[5]

Nach seiner Graduierung im Mai 1943 zog auch John mit zwei Freunden nach Philadelphia. Bis zu seiner Einberufung zum Militärdienst fand er Arbeit in einer Zuckerraffinerie; daneben nahm er Unterricht an der Ornstein School of Music bei Mike Guerra, der ursprünglich Klarinettist war. John Coltrane kehrte in den folgenden Jahren nur noch selten in seinen Heimatstaat zurück; er bevorzugte den Norden auch wegen der weniger starken Rassendiskriminierung. Dennoch wirkte sich die Bindung an North Carolina weiterhin aus; seine erste Frau, Naima, stammte von dort und Coltrane arbeitete fortan mit einer Reihe von Musikern mit familiären Bindungen nach North Carolina, wie mit Dizzy Gillespie, Thelonious Monk, Jimmy Heath und McCoy Tyner. 1958 schrieb Coltrane den Titel „Goldsboro Express“, benannt nach einer Stadt in North Carolina; seine späte Komposition „Welcome“ nimmt auch Bezug auf eine Kleinstadt in der Nähe seines Heimatortes High Point.

1945–1950 – Beginn der Karriere

John Coltrane bei der US Navy (1945)

1945 bekam er einen ersten Job in einer Tanz-Band, bevor er in die Navy eingezogen wurde. Dort spielte er in einer Jazzband, als er auf Hawaii stationiert war. 1946 wurde er aus dem Dienst entlassen und studierte bei dem Gitarristen und Komponisten Dennis Sandole Jazz-Theorie, was er bis in die 1950er Jahre fortsetzte. Zunächst begann er auf dem Altsaxophon zu spielen,[Coltrane 1] war Mitglied der Joe Webb-Bluesband, die die Sängerin Big Maybelle begleitete, und wechselte dann bei Eddie Vinson zum Tenorsaxophon, da dieser keinen weiteren Altsaxophonisten neben sich duldete. Coltrane äußerte sich später zu diesem Punkt: „a wider area of listening opened up for me. There were many things that people like Hawk, and Ben, and Tab Smith were doing in the ’40s that I didn’t understand, but that I felt emotionally.“[Biography 1]

Ein weiterer wichtiger Punkt seiner musikalischen Entwicklung war das erste Erlebnis eines Charlie-Parker-Konzerts am 5. Juni 1945. In einem Down Beat Artikel schrieb er 1960: „the first time I heard Bird play, it hit me right between the eyes.“[Coltrane 1] Parker wurde darauf zu seinem frühen Vorbild; die beiden spielten auch Ende der 1940er-Jahre gelegentlich miteinander. Hierbei kam es auch 1947 zur ersten Session im New Yorker mit Miles Davis, der für den weiteren Verlauf seiner Karriere immens wichtig werden sollte. In dieser Zeit entstand auch sein Spitzname „Trane“, wie man anhand von zeitgenössischen Briefwechseln feststellte. Coltranes Ausflüge nach New York blieben aber die Ausnahme; sein Hauptbetätigungsfeld blieb die lokale Szene in Philadelphia. Anfang des Jahres 1945 entstanden dort die ersten Aufnahmen, an denen Coltrane mitwirkte; er spielte dabei in der Jimmy Johnson Big Band, die ein inzwischen vergessener Schlagzeuger leitete, in der aber auch Benny Golson, Ray Bryant und Tommy Bryant spielten.

In der Musikerszene kam er mit Heroin in Berührung, das damals eine Modedroge war, und wurde schließlich abhängig. Dennoch behielt er auch in dieser Zeit ein tägliches Übungspensum von mehreren Stunden bei. Nachdem er noch in Philadelphia eine kurzlebige Formation mit Jimmy Heath, Benny Golson und Cal Massey gegründet hatte, spielte er in New York mit Howard McGhee im Apollo Theater; Anfang 1949 trat er im Audubon Ballroom mit Bud Powell, Art Blakey und Sonny Rollins auf. Dann wurde er durch Vermittlung von Jimmy Heath 1949 Mitglied der Dizzy Gillespie Big Band, allerdings schnell wieder entlassen, weil Dizzy Gillespie Coltranes Drogensucht nicht akzeptierte. Zuvor entstanden im November 1949 Aufnahmen für Capitol. In der Musikerszene gab man ihm den Spitznamen Country Boy, weil er oft barfuß durch die Gegend lief.

Nach seinem Rauswurf fand er Arbeit in der Rhythm-and-Blues-Band von Earl Bostic, mit dem auch einige Aufnahmen entstanden. Nach einem Gastspiel in einer Showband kehrte er nach Philadelphia zurück und hatte kurze Engagements in lokalen R&B-Bands. 1954 lernte er Naima (Juanita) Grubbs, seine erste Frau, kennen und fand Arbeit im Orchester seines früheren Idols, des Altsaxophonisten Johnny Hodges, dessen lyrische Spielweise und Klangfarbe zu Coltranes wichtigsten Einflüssen zählen.[6] Er blieb bis 1955 in der Hodges-Band, dem kurze Engagements bei Shirley Scott und Jimmy Smith folgten, bevor ihn Miles Davis auf Vorschlag von Philly Joe Jones anfragte. In Baltimore fanden erste Probenaufnahmen statt; dort heirateten Coltrane und Naima am 3. Oktober 1955.

1955–1960 – Miles Davis Quintett

Der Eintritt in das legendäre (erste) Miles-Davis-Quintett bedeutete für Coltrane den Durchbruch; Davis war zu diesem Zeitpunkt bereits ein Star. Coltrane spielte Tenorsaxophon, behielt dabei aber die Intonation des Alt bei und entwickelte seinen charakteristischen Klang. Erste Aufnahmen („Budo“ und „Little Melonae“) entstanden Ende Oktober für Columbia, obwohl Davis noch bei Prestige unter Vertrag stand, als Miles Davis All-Stars. Doch bereits im Herbst des folgenden Jahres warf Davis Coltrane wegen dessen Drogensucht erneut aus der Band. Coltrane zog sich zurück und konnte mit Hilfe seiner Frau vom Heroin loskommen. Daneben entstanden 1956 Prestige-Sessions mit Elmo Hope, Sonny Rollins („Tenor Madness“), Tadd Dameron (Mating Call), Idrees Sulieman und Paul Chambers.

Ein Jahr nach seinem Drogenentzug kehrte er auf die Bühne zurück und stürzte sich mit neuer Energie in die Arbeit. Er arbeitete unter anderem mit Thelonious Monk (Live at the Five Spot: Discovery!), mit dem er im Oktober 1957 das Album Monk’s Music aufnahm. Aus dem Zusammenspiel mit Monk brachte er die an den Kirchentonarten orientierten Skalen ein. Diese „modale“ Spielweise überwindet die herkömmliche, an Harmoniefolgen gebundene Improvisation. In der Folge wurden Coltranes Soli immer länger und ekstatischer. In den Jahren 1957 und 1958 entstanden eine große Reihe hastig eingespielter Coltrane-Alben für Prestige im Stile von Blowing Sessions. Unter diesen ist einzig Blue Train – im September 1957 mit einer Bläsergruppe aus Curtis Fuller und Lee Morgan für Blue Note Records eingespielt – bemerkenswert.

In jenen Jahren von etwa 1957 bis 1960 perfektionierte er eine neue Spielweise, die der Jazz-Kritiker Ira Gitler „sheets of sound“ nannte, Klangflächen. Dabei verdichtete Coltrane ungewöhnlich akzentuierte Arpeggios zu verflochtenen Soundmustern hoher Virtuosität. Das Spiel verlief so schnell, dass neben dem aktuellen Ton noch die vorherigen Töne in der Luft lagen. Hierbei wurden die horizontalen Linien mehr gewichtet und die althergebrachten schemenartigen Akkordmuster und -verbindungen bewusst vernachlässigt, der Takt wurde aufgelöst. In Augenblicken höchster Intensität nahm sein Spiel die Qualität von Urlauten an.[7] Der besondere Reiz dieser Technik besteht darin, dass die Musik vielsagend wird, weil oft nicht klar ist, in welcher Tonart Coltrane genau spielt. Wichtig ist, dass der Pianist eingewiesen ist. Monk beispielsweise spielte statt eines C-Dur-Dreiklanges nur das C, womit er die Tonart nicht eindeutig vorgab. In dieser Zeit trat Coltrane – mehr oder weniger notgedrungen, denn er benötigte Material für seine neue Spielweise – als Komponist hervor. Anfang 1958 hatte er ein gemeinsames Quintett mit dem Flügelhornisten Wilbur Harden (Mainstream 1958). Von 1958 bis 1960 spielte er wieder im Davis-Quintett. Die beiden herausragenden Alben Milestones und Kind of Blue entstanden.

Die 1960er Jahre

Für sein Album Giant Steps wurde John Coltrane 1961 in Amsterdam mit einem Edison ausgezeichnet

Im Jahr 1959 entstanden erste Aufnahmen für das Label Atlantic Records, zunächst mit Milt Jackson (Bags & Trane). 1960 erschien sein Album Giant Steps – ein Titel, der durchaus wörtlich zu nehmen ist. 1961 wurde dann My Favorite Things veröffentlicht. Das Titelstück dieses Albums (im Drei-Viertel-Takt) stammt aus dem Rodgers-und-Hammerstein-Musical The Sound of Music. Coltrane spielte Sopransaxophon und verhalf diesem im Jazz seit längerer Zeit relativ selten gespielten Instrument damit zu einer Renaissance.

Dieser Erfolg machte das John Coltrane Quartet neben Miles Davis’ Quintett zu einer der einflussreichsten Jazz-Gruppen der 1960er-Jahre. Neben Coltrane bestand die klassische Besetzung aus McCoy Tyner (Piano) sowie Elvin Jones (Schlagzeug). Jimmy Garrison löste im Herbst 1961 seine Vorgänger am Bass, Steve Davis und Reggie Workman, ab und vervollständigte das Quartett. Diese Besetzung sollte sich nun für die nächsten Jahre nicht verändern.

Bei einigen Liveaufnahmen im Village Vanguard wirkte auch der Avantgarde-Saxophonist Eric Dolphy mit, der zuvor bereits mit Ornette Coleman und Charles Mingus zusammengespielt hatte. Die Mitschnitte aus dem Village Vanguard verstörten zahlreiche Jazzkritiker, führten zu einer Kontroverse im Down Beat und zum Ausscheiden Dolphys im März 1962. Danach entstanden zwei eher konservative Alben, Coltrane und Ballads.[8] Seine Auftritte auf dem Newport Jazz Festival in den Jahren 1963 (mit Roy Haynes) und 1965 sind auf der 2007 erschienenen Edition My Favorite Things: Coltrane at Newport dokumentiert.

Musikalisch sprengte Coltrane die Fesseln des herkömmlichen Jazz und nahm in sein Spiel beispielsweise afrikanische und orientalische Einflüsse auf. Eine der wichtigsten Platten mit dem klassischen Quartett ist die Suite A Love Supreme aus dem Jahre 1964 (Impulse!), bei welcher Coltranes spirituelle Ausrichtung deutlich wird, die sich im vorangegangenen melancholischen Album Crescent andeutete. Coltrane, der auch den psalmenartigen Text schrieb und sang, schuf das Werk nach Lektüre des Buchs The Greatest Thing in the World von Henry Drummond, einem evangelikalen Autor des 19. Jahrhunderts.

In der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre orientierte sich John Coltrane immer stärker am offenen Spiel des Free Jazz. Elvin Jones wurde durch den Schlagzeuger Rashied Ali erst ergänzt, später dann ersetzt, der auch ungebundene Metren spielte; für McCoy Tyner kam Coltranes zweite Frau Alice Coltrane (sie spielte Piano und Harfe, ein im Jazz selten vertretenes Instrument). Zumeist verstärkte der Saxophonist Pharoah Sanders die Intensität der Saxophonklänge, wie in seinem letzten aufgezeichneten Konzert im April 1967 (The Olatunji Concert).

Musikalisch war Coltrane auf der Suche nach neuen Klängen. Seine künstlerische Existenz erläuterte er dahingehend, dass er die Menschen mit all seiner Kraft seelisch habe aufrichten wollen. Er verstand sich mithin als Anregung, dass jedermann seine Energiequellen vollkommen freisetzt, um ein sinnvolles Leben gestalten zu können.[7] Dabei blieb sein Stil immer eigenständig und in seiner Geschwindigkeit und Komplexität auch unvergleichlich. Er veröffentlichte innerhalb von zwölf Jahren etwa 50 Aufnahmen mit seiner eigenen Band und ein Dutzend mit anderen Bands.

John Coltrane starb 1967 an Leberkrebs. John und Alice Coltrane hatten drei gemeinsame Kinder, den Schlagzeuger (* 1964; 1982 bei einem Autounfall tödlich verunglückt) und die Saxophonisten Ravi (* 1965) und Oran (* 1967).

Ehrungen

Seine Aufnahme Lush Life mit Johnny Hartman, aus dem Album John Coltrane and Johnny Hartman (1963) sowie die Alben Blue Train (1957), Giant Steps (1960), A Love Supreme (1964), My Favorite Things (1961) und Thelonious Monk with John Coltrane (1961) wurden in die "Grammy Hall of Fame" aufgenommen[9] Die 1971 in San Francisco gegründete Saint John Coltrane African Orthodox Church verehrt den Musiker als einen Heiligen.

Nach ihm wurde der Asteroid Coltrane benannt.

Der schottische Schauspieler Anthony Robert McMillan nannte sich John Coltrane zu Ehren „Robbie Coltrane“.

Chasing Trane: The John Coltrane Documentary ist ein amerikanischer Film aus dem Jahr 2016 von John Scheinfeld. Denzel Washington erzählt das Leben von Coltrane; der Film enthält Interviews mit Bewunderern wie Wynton Marsalis, Sonny Rollins, Bill Clinton und Cornel West.[10][11]

Stimmen der Kritiker

„Was an John Coltranes Soli auch heute noch fasziniert, ist seine große melodische Gestaltungskraft, die Art und Weise, wie er sich souverän abwechselnd innerhalb und außerhalb der üblichen Akkord-Folge bewegt. Anders als andere Musiker seiner Zeit war ihm nicht daran gelegen, sich als jemand zu inszenieren, der etwas des reinen Spiels wegen dekonstruiert. Er hatte so viel an Kreativität und Einfallsreichtum zu verschwenden, daß er damit alles – jeden Ton, jede Akkordfolge, jede Fremdkomposition – mit neuer Bedeutung aufladen konnte.“

Harry Lachner[Lachner 1]

Entwicklung des John Coltrane Quartet

Zur Bandgeschichte siehe John Coltrane Quartet.

Aufnahmen (Auswahl)

1957–1958 – Die Prestige-Jahre
1959–1964 – Die Atlantic-Jahre

1961–1964 – Die Impulse!-Jahre

1965–1967 – Das Spätwerk

Kompositionen (Auswahl)

  • Moment’s Notice, 1957[13]
  • 26-2, 1964
  • After the Rain, 1963
  • Alabama, 1963 (Zum Gedenken an den Anschlag auf die 16th Street Baptist Church, und Prince bezeichnete das Stück als einen von 55 Songs, die ihn musikalisch inspiriert haben)
  • Brazilia, 1965
  • Central Park West, 1960
  • Cousin Mary, 1959
  • Giant Steps, 1960
  • Like Sonny, 1959
  • Naima, 1959
  • Syeeda’s Song Flute, 1959
  • Impressions, 1961
  • India, 1961
  • Tunji, 1962
  • Welcome, 1966

Literatur

  • John Coltrane: Coltrane on Coltrane. The John Coltrane Interviews. Chicago Review Press, Chicago 2010, ISBN 978-1-56976-287-5 (hrsg. Chris DeVito).
  • Yasuhiro Fujioka: John Coltrane: A Discography and Musical Biography. The Scarecrow Press, Metuchen NJ 1995, ISBN 0-8108-2986-X (mit Beiträgen von Hamada, Porter).
  • Lewis Porter: John Coltrane: his life and music. The University of Michigan Press, 1998 ISBN 0-472-10161-7 (engl. Originalausgabe).
  • Ashley Kahn: A Love Supreme. John Coltranes legendäres Album. Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins, Berlin 2004, ISBN 3-8077-0030-7 (englisches Original Viking Penguin, New York 2002, ISBN 0-670-03136-4).
  • J.C. Thomas: Chasin' the trane. Musik und Mystik von John Coltrane. Hannibal, Wien 1986, ISBN 3-85445-024-9 (dt. Übersetzung, engl. Original 1975).
  • Ralf Dombrowski: John Coltrane. Sein Leben, seine Musik, seine Schallplatten. Oreos, Waakirchen 2002, ISBN 3-923657-63-3 (dt., vollständig überarbeitete Neuauflage).
  • Carl Woideck: The John Coltrane Companion. Schirmer Books, 1998, ISBN 0-7119-6994-9.
  • Gerd Filtgen, Michael Ausserbauer: John Coltrane. Oreos Verlag, 1989.
  • David A. Wild: liner notes zu The Complete 1961 Village Vanguard Recordings (1997)
  • Ben Ratliff: Coltrane. The Story of A Sound. Farrar, Straus and Giroux, New York 2007, ISBN 978-0-312-42778-8.
  • Karl Lippegaus: John Coltrane. Biografie. Edel, Hamburg 2011, ISBN 978-3-8419-0069-2.
  • Peter Kemper: John Coltrane. Biographie. Reclam, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-15-961200-3.

Weblinks

Commons: John Coltrane – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Verweise

  1. John Coltrane Biography – The John Coltrane Foundation
  1. a b John Coltrane: Down Beat-Interview 1960.
  1. Harry Lachner: Jahrhundertaufnahmen des Jazz John Coltrane A Love Supreme
  • Lewis Porter: John Coltrane. University of Michigan Press, Ann Arbor 2006
  1. Porträt laut.de
  2. Lewis Porter, S. 1 ff.
  3. Lewis Porter, S. 6 f.
  4. Lewis Porter, S. 17.
  5. Vgl. Filtgen und Außerbauer, S. 15.
  6. Filtgen und Außerbauer, S. 22 ff.
  7. a b Barry Graves, Siegfried Schmidt-Joos, Bernward Halbscheffel: Rock-Lexikon. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2003, ISBN 978-3-499-61588-7, Band 1, S. 210 f.
  8. vgl. David A. Wild, 1997
  9. Grammy Awards Site, grammy.org Grammy Hall of Fame
  10. variety.com: John Coltrane Documentary ‘Chasing Trane’ Gets Release Date
  11. imdb.com: Chasing Trane: The John Coltrane Documentary
  12. Auszeichnungen für Musikverkäufe: US UK
  13. Moment’s Notice in der englischsprachigen Wikipedia

Bewertungen

Es gibt noch keine Bewertungen.

Nur angemeldete Kunden, die dieses Produkt gekauft haben, dürfen eine Bewertung abgeben.

Same album, but different version(s)...

John Coltrane ¦ Both Directions At Once: The Lost Album
CHF 53.00 inkl. MwSt