Ramones ¦ Leave Home

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Veröffentlichung Leave Home:

1977

Hörbeispiel(e) Leave Home:





Leave Home auf Wikipedia (oder andere Quellen):

Leave Home
Studioalbum von Ramones

Veröffent-
lichung(en)

10. Januar 1977

Label(s)Sire Records

Format(e)

CD, LP

Genre(s)

Punk, Rock

Titel (Anzahl)

14

Länge

30:48

Besetzung
  • Ed Stasium – Toningenieur, Chorgesang
  • Bob Clearmountain – Tonassistent

Produktion

Tony Bongiovi, T. Erdelyi

Studio(s)

Sundragon Studios, Manhattan

Chronologie
Ramones
(1976)
Leave HomeRocket to Russia
(1977)
Leave Home (1977)
Leave Home (1977)
Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben[1]
Leave Home
 UK4523.04.1977(1 Wo.)
Singles
Swallow My Pride
 UK3606.08.1977(3 Wo.)

Leave Home ist das zweite Musikalbum der US-amerikanischen Punkband Ramones. Es wurde im Januar 1977 erstmals veröffentlicht und enthält ausschließlich Musikstücke, die bereits vor Erscheinen des 1976er Debütalbums Ramones zum Repertoire der Gruppe gehörten. Der Titel Leave Home (deutsch: „Das Zuhause verlassen“) spielt darauf an, dass die Band zur Zeit der Veröffentlichung des Albums durch intensive Tourneen ihren Bekanntheitsgrad über ihre Heimatstadt New York hinaus hatte steigern können.[2] Leave Home wird von Kritikern und Fans – ebenso wie die übrigen der ersten vier Studioalben – zu den „Klassikern“ im Werk der Ramones gezählt.

Entstehungsgeschichte

Das Album wurde ab Oktober 1976 unter der Leitung von Produzent Tony Bongiovi und Tommy Ramone als Co-Produzent im New Yorker Tonstudio Sundragon Studios aufgenommen. Die Aufnahmen dokumentieren einen klanglichen Qualitätssprung gegenüber dem Debütalbum: der Band stand nun ein etwas höheres Studio-Budget – etwa 10.000 US $ – zur Verfügung,[3] so dass größeres Gewicht auf Abmischung und Produktion gelegt werden konnte. Auf Leave Home arbeiteten die Ramones erstmals mit Toningenieur Ed Stasium zusammen, mit dem – als Toningenieur und später auch als Produzent – sie bis zur Auflösung der Band 1996 immer wieder kooperieren sollten. Stasium steuerte Chorgesang zu einigen der Lieder des Albums bei. Alle Stücke auf Leave Home wurden von der Band im Studio live in nur wenigen Anläufen (Takes) eingespielt, auf nachträglich hinzugefügte Aufnahmespuren (Overdubs) wurde fast vollständig verzichtet.[4]

Die Musikstücke des Albums (Auswahl)

Wie bereits beim ersten Album der Ramones nahm die Band im Tonstudio die Musikstücke auf Leave Home in der Reihenfolge auf, in der die Bandmitglieder sie geschrieben hatten; in derselben Reihenfolge wurden sie auf dem Album veröffentlicht.[5] Ausnahmen sind die Coverversion des Liedes California Sun sowie die ab der zweiten Auflage des Albums anstelle von Carbona Not Glue eingefügten Stücke. Die Hälfte der Lieder auf dem Album beschäftigt sich mit psychischen Störungen (Gimme Gimme Shock Treatment, What’s Your Game), mit Gewalt (Glad To See You Go, You’re Gonna Kill That Girl) sowie mit Themen, die durch Horror- und Kriegsfilme inspiriert sind (Pinhead, Commando, You Should Never Have Opened That Door).[6][3]

Glad To See You Go

Das erste Stück auf dem Album, eine Komposition von Dee Dee Ramone, ist dessen Ex-Freundin Connie Gripp gewidmet, mit der der Ramones-Bassist eine längere Beziehung gehabt hatte, die von gemeinsamem Alkohol- und Drogenkonsum sowie von Gewalttätigkeiten zwischen beiden geprägt war.[7] Dee Dee Ramone schrieb das Stück unmittelbar im Anschluss an die Trennung.[8] Im Liedtext fantasiert er davon, seine Partnerin zu erschießen, um „so berühmt zu werden wie [der berüchtigte US-Kriminelle] Charles Manson.[9] Dee Dee Ramone bemerkte dazu, dass ihn die weitere Beziehung mit dieser Frau womöglich das Leben gekostet hätte.[10] Der gewaltverherrlichende Liedtext gleich am Anfang des Albums hatte zur Folge, dass sich mehrere Radio-DJs in den USA weigerten, Leave Home in ihren Sendungen aufzulegen.[11]

Pinhead

Auf Leave Home befindet sich erstmals das von Dee Dee Ramone geschriebene Stück Pinhead,[12] dessen Unsinns-Textformel „Gabba Gabba Hey“ zum zweiten „Schlachtruf“ der Band werden sollte – neben dem bereits auf dem Debütalbum eingeführten „Hey Ho, Let’s Go“. Die Phrase „Gabba Gabba Hey“ wurde zu einem zentralen Show-Element aller Ramones-Konzerte; Sänger Joey Ramone hielt bei jeder Live-Aufführung von „Pinhead“ dem Konzertpublikum ein großes Transparent mit diesem Motto entgegen. Das Lied Pinhead ist inspiriert durch den US-amerikanischen Horrorfilm Freaks aus dem Jahr 1932 von Regisseur Tod Browning.[13] Der Filmdialog „Gobble gobble – we accept you, one of us!“ wurde von den Ramones in nur leicht veränderter Form als Intro des Liedes verwendet und inspirierte auch den „Schlachtruf“ der Band.[3]

Carbona Not Glue

Die Erstauflage von Leave Home enthält ferner den Titel Carbona Not Glue – ein Lied, dessen Text jugendlichen Drogenkonsum (hier die Inhalation von Dämpfen aus Haushalts-Chemikalien) persifliert.[14] Der Liedtext ist inhaltlich eine Fortsetzung dieses von den Ramones erstmals auf deren Debütalbum mit dem Stück Now I Wanna Sniff Some Glue behandelten Themas.[11] Die Musik dieser Komposition des Gitarristen Johnny Ramone ist nach dessen Aussage von einem Album Eddie Cochrans beeinflusst.[5] Mit einer Spieldauer von 1:53 ist Carbona Not Glue nach dem Lied Gimme Gimme Shock Treatment das zweitkürzeste Stück auf dem Album.

Band-Manager Danny Fields hatte dem Lied Carbona Not Glue bereits vor Erscheinen des Albums das größte Potential für einen Charts-Hit bei einer Auskopplung als Single zugeschrieben. Eine Single-Auskopplung wurde jedoch durch markenrechtliche Bedenken verhindert – in den USA ist Carbona der Markenname einer Produktreihe von Reinigungsmitteln für den Haushalt.[15][16] Auf der LP wurde das Stück auf Betreiben der beauftragten Vertriebsunternehmen (nach Aussage von Johnny Ramone als Reaktion auf die Forderung des Carbona-Herstellers nach Unterlassung)[17] ab der zweiten Auflage des Albums durch die Hit-Single Sheena Is A Punk Rocker (USA, D) beziehungsweise durch das Lied Babysitter (UK) ersetzt. Die Exemplare der in vergleichsweise niedrigen Stückzahlen hergestellten Erstauflage des Albums mit Carbona Not Glue (so beispielsweise nur etwa 5.000 Stück in Großbritannien) wurden in späteren Jahren für Fans zu gesuchten Sammlerstücken,[18][15] in den USA erschienen mehrere Schwarzpressungen (Bootlegs) des Stücks auf Vinyl und seit den 1990er-Jahren auch auf CD.

Das Lied Carbona Not Glue blieb im Live-Repertoire der Band, erschien aber erst wieder im Jahr 1992 auf einem offiziellen Ramones-Album – als versteckter Titel (Hidden Track) auf der US-CD-Ausgabe des Live-Albums Loco Live.[19] Erst eine Neuauflage von Leave Home durch Rhino Records im Jahre 2001 enthielt – neben weiterem Bonusmaterial – wieder das Lied an dessen ursprünglicher Stelle in der Titelliste (siehe unten).

California Sun

Diese einzige Coverversion auf dem Album ist eine Komposition aus dem Jahr 1961, für die der Komponist Henry Glover und der Musikverleger Morris Levy das US-Copyright besitzen. Im Jahr 1964 hatte die Surf-Rock-Band The Rivieras mit ihrer Version des Stücks den fünften Platz in den US-Charts Billboard Hot 100 belegt.[20] Die Version der Ramones ist in deutlich höherem Tempo gespielt als die Vorlage. Eine Live-Version von California Sun erschien im Februar 1977 auf der B-Seite der zweiten Ramones-Single in den USA und Großbritannien.[21]

Commando

Der Titel des Stücks ist inspiriert von einem italienischen Kriegsfilm aus dem Jahr 1962, Marcia o crepa, mit Stewart Granger in der Hauptrolle, der in den USA unter dem Titel Commando gezeigt wurde (in Deutschland als Marschier und krepier).[22] Der Liedtext beschreibt ein Militärkommando und vermischt inhaltliche Bezüge auf den Vietnamkrieg und Ost-Berlin mit einer Parodie auf militärische Disziplin. Als „Regeln“ werden aufgelistet „die Gesetze Deutschlands“, „sei nett zu Mutti“, „sprich nicht mit Kommunisten“ und „iss koschere Salami“.[11] Commando erschien im Mai 1977 zusammen mit dem Lied I Don’t Care auf der B-Seite der Single Sheena Is A Punk Rocker.[21]

Johnny Ramones im Jahr 2012 posthum erschienene Autobiografie trägt den Titel Commando; eine Anspielung darauf, dass der Gitarrist dafür bekannt war, bei den Ramones für die gruppeninterne Disziplin zu sorgen.[23]

Titelliste

(Wie in der Erstauflage. Alle Titel von den Ramones, wenn nicht anders angegeben)

  1. Glad to See You Go – 2:13
  2. Gimme Gimme Shock Treatment – 1:43
  3. I Remember You – 2:20
  4. Oh Oh I Love Her So – 2:05
  5. Carbona Not Glue – 1:53
  6. Suzy Is a Headbanger – 2:12
  7. Pinhead – 2:45
  8. Now I Wanna Be a Good Boy – 2:15
  9. Swallow My Pride – 2:08
  10. What’s Your Game – 2:38
  11. California Sun (Henry Glover/Morris Levy) – 2:03
  12. Commando – 1:55
  13. You’re Gonna Kill That Girl – 2:42
  14. You Should Never Have Opened That Door – 1:56

Gesamtlaufzeit 30:48 Minuten (CD-Version)

Bonustitel der Neuauflage 2001

(Alle Titel Live-Aufnahmen außer Babysitter)

  1. Babysitter – 2:44
  2. Loudmouth – 2:08
  3. Beat on the Brat – 2:36
  4. Blitzkrieg Bop – 2:13
  5. I Remember You – 2:17
  6. Glad to See You Go – 2:03
  7. Chain Saw – 1:51
  8. 53rd & 3rd – 2:27
  9. I Wanna Be Your Boyfriend – 2:22
  10. Havana Affair – 1:53
  11. Listen to My Heart – 1:47
  12. California Sun (Henry Glover/Morris Levy) – 1:58
  13. Judy Is a Punk – 1:23
  14. I Don’t Wanna Walk Around with You – 1:31
  15. Today Your Love, Tomorrow the World – 2:52
  16. Now I Wanna Sniff Some Glue – 1:28
  17. Let’s Dance (Jim Lee) – 2:06

Single-Auskopplungen (Auswahl)

Die auf Singles veröffentlichten Titel des Albums wurden meist mit Stücken kombiniert, die erst mit dem im selben Jahr veröffentlichten Album-Nachfolger Rocket to Russia erstmals auf LP erschienen:[21]

  • Februar 1977 – A-Seite: I Remember You, B-Seite: California Sun (Live)/I Don’t Wanna Walk Around with You (Live). Sire 6078 603
  • Mai 1977 – A: Sheena Is a Punk Rocker, B: Commando/I Don’t Care. Sire 6078 606 (UK-Charts: Platz 22)
  • August 1977 – A: Swallow My Pride B: Pinhead/Let’s Dance (Live). Sire 6078 607

Literatur

  • Jim Bessman: Ramones – an American Band (englisch). St. Martin’s Press, New York 1993. ISBN 0-312-09369-1.
  • Dick Porter: Ramones – The Complete Twisted History (englisch). Plexus Publishing Ltd. 2004, ISBN 0-85965-326-9.
  • Everett True: Hey Ho Let’s Go – The Story Of The Ramones (englisch). Omnibus Press 2002, ISBN 0-7119-9108-1.

Weblinks

Quellen

  1. Das Album Leave Home auf chartsstats.com Die Ramones in den britischen Charts (officialcharts.com)
  2. “The title refers to the Ramones leaving New York to go on tour of the United States and the world” – Johnny Ramone in: Commando: the autobiography of Johnny Ramone, S. 60. Abrams Image, New York 2012. ISBN 978-0-8109-9660-1
  3. a b c Dick Porter: Ramones: The Complete Twisted History, S. 75
  4. Everett True: Hey Ho Let’s Go, S. 78
  5. a b Johnny Ramone: Commando: the autobiography of Johnny Ramone, S. 153. Abrams Image, New York 2012. ISBN 978-0-8109-9660-1
  6. Everett True: Hey Ho Let’s Go, S. 83 ff.
  7. Interviewbeiträge von Dee Dee Ramone, Eileen Polk und Danny Fields in: Legs McNeil, Gillian McCain: Please Kill Me – die unzensierte Geschichte des Punk, S. 261 ff. Standardwerk zur Geschichte des US-Punk von 1967–1992, deutschsprachige Ausgabe. Koch International GmbH/Hannibal, 2004. ISBN 978-3-85445-237-9
  8. Ben Edmonds: Thirty Years of the Ramones. Artikel über die Frühzeit der Band, Interview mit Ramones-Art-Director Arturo Vega, in: Mojo – The Music Magazine, Ausgabe November 2005, Issue 144, S. 79. Verlag: Emap Performance Ltd., 2005
  9. Der Liedtext von Glad To See You Go enthält eine Anspielung auf das potentiell tödliche Russisch Roulette. Zitat: “Gonna take a chance on her, one bullet in the cylinder, and in a moment of passion get the glory like Charles Manson.” (deutsch: „Bei ihr werde ich es riskieren: eine Kugel in der Trommel [des Revolvers] – und in einem Moment der Leidenschaft bekomme ich den[selben] Ruhm wie Charles Manson.“)
  10. John Holmstrom, Legs McNeil: We’re A Happy Family. Artikel über die Ramones in Spin Magazine, Volume Two Number Five, August 1986, S. 69. Spin Publications, New York NY 1986
  11. a b c Jim Bessman: Ramones – an American Band, S. 73
  12. Jim Bessman: Ramones – an American Band, S. 72
  13. Everett True: Hey Ho Let’s Go, S. 84
  14. Zitat aus dem Liedtext: “Ran out of Carbona, mom threw out the glue, ran out of paint and roach spray too.” (deutsch: „Carbona ist alle, Mutti hat den Klebstoff weggeworfen, Farbe und Kakerlakenspray sind auch alle.“) Zitiert nach Jim Bessman: Ramones – an American Band, S. 73 f.
  15. a b Jim Bessman: Ramones – an American Band, S. 74
  16. Offizielle Website der US-Haushaltsreiniger-Marke Carbona (englisch; abgerufen am 28. Mai 2012)
  17. “The Carbona company made us pull the song from the album. They didn’t want us singing about sniffing the stuff, but I thought the song was funny.” (deutsch: „Die Firma Carbona brachte uns dazu, das Lied vom Album zu nehmen. Sie wollten nicht, dass wir darüber sangen, das Zeug zu schnüffeln, aber ich fand das Lied lustig.“) – Johnny Ramone, in: Commando: the autobiography of Johnny Ramone, S. 153. Abrams Image, New York 2012. ISBN 978-0-8109-9660-1
  18. Everett True: Hey Ho Let’s Go, S. 80 f.
  19. Ramones – Loco Live (Audio-CD, 1992), Track 17. Sire Records/Warner Bros. Records Inc. 9-26650-2
  20. Nugent, Stephen, Anne Fowler, Pete Fowler: Chart Log of American/British Top 20 Hits, 1955–1974. In: Gillett, Charlie, Simon Frith (Hrsg.): Rock File 4. Frogmore, St. Albans: Panther Books, 1976, S. 293
  21. a b c Everett True: Hey Ho Let’s Go, S. 337: Band-Diskografie
  22. Der Film Marcia o crepa/Commando auf der Website International Movie Database/IMDb (englisch; abgerufen am 29. Mai 2012)
  23. Johnny Ramone: Commando: the autobiography of Johnny Ramone. Abrams Image, New York 2012. ISBN 978-0-8109-9660-1

Artist(s)

Veröffentlichungen von Ramones die im OTRS erhältlich sind/waren:

Rocket To Russia ¦ Leave Home ¦ It’s Alive ¦ Greatest Hits

Ramones auf Wikipedia (oder andere Quellen):

Ramones
Ramones-logo.svg

Die Ramones (live in Toronto, 1976. Von links nach rechts: Johnny, Tommy, Joey und Dee Dee Ramone)
Die Ramones (live in Toronto, 1976. Von links nach rechts: Johnny, Tommy, Joey und Dee Dee Ramone)
Allgemeine Informationen
HerkunftQueens, New York City, Vereinigte Staaten
Genre(s)Punkrock, Pop-Punk[1]
Gründung1974
Auflösung1996
Gründungsmitglieder
Joey Ramone (Jeffrey Hyman, † 2001)
Johnny Ramone (John Cummings, † 2004)
Dee Dee Ramone (Douglas Glen Colvin, † 2002) (bis 1989)
Tommy Ramone (Tamás Erdélyi, † 2014) (bis 1978)
Spätere Mitglieder
Schlagzeug
Marky Ramone (Marc Bell)
(1978–1983, 1987–1996)
Schlagzeug
Richie Ramone (Richard „Beau“ Reinhardt) (1983–1987)
Schlagzeug
Elvis Ramone (Clem Burke)
(1987 einzelne Konzerte)
Bass
C. J. Ramone (Christopher Joseph Ward) (1989–1996)

Die Ramones waren eine US-amerikanische Musikgruppe aus dem Stadtbezirk Queens in New York City. Sie galten als Prototyp der Punkband, obwohl der Begriff Punk als Genrebezeichnung erst später als Ausdruck einer britischen Subkultur populär wurde. Die Ramones schufen Mitte der 1970er eher ungewollt eine neue Musikrichtung, da sie eine Abneigung gegen die damals produzierte Rockmusik im Zeitalter von Pink Floyd und Led Zeppelin hatten.

“When we started up in March of ’74, it was because the bands we loved, the rock ’n’ roll that we knew, had disappeared. We were playing music for ourselves.”

„Als wir im März ’74 begannen [aufzutreten], geschah das, weil die Bands, die wir liebten, der Rock ’n’ Roll, den wir kannten, verschwunden waren. Wir spielten Musik für uns selbst.“

Joey Ramone[2]

Ihre Musik orientierte sich an wenigen Vorbildern wie The Who, den Kinks, den Beach Boys, den Stooges, MC5 und dem amerikanischen Rock ’n’ Roll der 1950er-Jahre. Typisch waren einfache Harmonien und Strukturen sowie das völlige Fehlen von Soli, Intros oder Übergängen. Sie bilden damit die totale Antithese zu Stilrichtungen wie Artrock, Progressive Rock oder Fusion. Dafür waren die Songs durch extreme Geschwindigkeit und Lautstärke gekennzeichnet. Ebenso simpel wie die Komposition waren auch die Texte gehalten, die oft an Kinderreime erinnerten, in ihrer Thematik aber explizit auf die sozialen Probleme und Fragestellungen der 1970er Jahre eingingen.

Herkunft des Namens

Die Mitglieder ersetzten ihren jeweiligen Familiennamen durch Ramone und erweckten damit beim Beobachter den Eindruck eines Verwandtschaftsverhältnisses. Der Name „Ramone“ ist dem Pseudonym Paul Ramon[3] entliehen, das Paul McCartney in den Anfangstagen der Beatles im Jahr 1960 für eine Schottlandtournee benutzte, die die Gruppe unter dem Namen The Silver Beetles als Begleitband von unternahm.[4]

Geschichte

Die Ramones wurden am 28. Januar 1974 in New York bei einer Probe in den Performance Studios gegründet, die von Tamás Erdélyi (später bekannt als Tommy Ramone) und , späterer Tour-Manager, betrieben wurden.[5] Die Erstbesetzung bestand aus John Cummings an der Gitarre, Douglas Colvin an Bass und Gesang, und Jeffrey Hyman am Schlagzeug. Alle drei kamen aus dem New Yorker Stadtteil Queens. Nach einiger Zeit begannen sie, sich die bekannten Künstlernamen zu geben, und wurden als Ramones bekannt. Colvin (Dee Dee Ramone) erkannte, dass er nicht gleichzeitig Bass spielen und singen konnte, also wurde Jeffrey Hyman (Joey Ramone) der neue Sänger, allerdings bestand nun die Notwendigkeit, einen neuen Drummer zu suchen. Nachdem einige Kandidaten getestet wurden, wurde Tommy Ramone neuer Schlagzeuger der Band. Sie begannen, ihre ersten Konzerte in New York zu spielen, vor allem in Clubs wie dem CBGB, wo auch andere Gruppen der Zeit, wie Blondie, Richard Hell & The Voidoids und die New York Dolls, spielten. Diese ersten Konzerte werden von Zeitzeugen als legendär beschrieben, da die Ramones lauter und schneller spielten als alle ihre Konkurrenten; die Konzertdauer betrug zwischen 20 und 30 Minuten. In dieser Zeit kam die Band auch in Kontakt mit der New Yorker Kunstszene; dies führte sie unter anderem mit Seymour Stein zusammen, der sie für das Label „Sire Records“ unter Vertrag nahm, auf dem 1976 ihre Debüt-LP Ramones veröffentlicht wurde.

1979 spielten die Ramones eine Rolle in dem Film Rock ’n’ Roll Highschool von Roger Corman, zu dessen Filmmusik sie diverse Stücke beisteuerten. An dessen Ende, während eines Konzertes der Band, ging die titelgebende High School in Flammen auf. In der Planungsphase des Filmes gab es Überlegungen, den Film mit Disco-Musik zu unterlegen, man entschied sich dann aber für die Ramones. Trotz der Mitarbeit in dem Film blieb der große Durchbruch in den USA allerdings aus. Die Ramones spielten weiterhin in kleineren Clubs und verkauften relativ wenig Schallplatten. Nachdem selbst die Zusammenarbeit mit dem Bombast-Produzenten Phil Spector für das Album End of the Century nicht den gewünschten Erfolg zeigte, beschränkte man sich darauf, ausgiebig zu touren, um damit den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Tommy Ramone verließ die Gruppe bereits 1978, da ihm die immer stärker werdende Tourneetätigkeit nicht zusagte und er sich lieber auf eine Tätigkeit als Produzent konzentrieren wollte. Er wurde durch Marc Bell (Marky Ramone) ersetzt, eine bekannte Größe der New Yorker Szene (unter anderem Schlagzeuger von Richard Hell and the Voidoids). Gesundheitliche Probleme durch erheblichen Alkoholkonsum zwangen diesen zu einer Pause, die Lücke füllte Richard Beau (Richie Ramone) im Angestelltenverhältnis. Drei Alben später verließ er wegen eines Streits über die Beteiligung an Erlösen aus dem T-Shirt-Verkauf die Ramones, und Marky Ramone, der nun abstinent war, wurde wieder eingesetzt. In der Übergangszeit spielte Clem Burke, der Schlagzeuger von Blondie, für zwei Auftritte als Elvis Ramone das Schlagzeug.

Live-Auftritte der Band folgten üblicherweise diesem Schema: Unmittelbar vor dem Betreten der Bühne wurde The Good, The Bad and the Ugly von Ennio Morricone von Band abgespielt; danach begann das Konzert. Pausen wurden selten gemacht; und wenn, dann nur, damit Dee Dee Ramone den nächsten Song anzählen („one-chew-free-far“ anstatt „one, two, three, four“) konnte. Zu dem Song Pinhead hielt Joey Ramone meist ein Schild mit der Aufschrift Gabba Gabba Hey! in die Luft, zusätzlich sprang während des Liedes ein mit einer Maske verkleideter Roadie über die Bühne.

Innerhalb der Band gab es über lange Jahre erhebliche Differenzen. Besonders Joey und Johnny haben längere Zeit nicht miteinander gesprochen. Dies lag daran, dass Johnny Joey für einen eher schlechten Sänger hielt und dass Johnnys spätere Ehefrau Linda ursprünglich Joeys Freundin war; aber auch die politischen Überzeugungen der beiden waren gegensätzlich. Joey war eher liberal eingestellt; Johnny Anhänger der konservativen Präsidenten Ronald Reagan und George H. W. Bush. Diese Differenzen konnten sie bis zu ihrem Tode nicht mehr beilegen.

Dee Dee Ramone verließ im Jahre 1989 die Band, um eine Karriere als Rapper (Dee Dee King) zu verfolgen; er blieb den Ramones aber weiter als Songschreiber verbunden. Sein Nachfolger wurde der bis dahin unbekannte Christopher Joseph Ward (C. J. Ramone), der Berichten zufolge zunächst aus dem Strafarrest des United States Marine Corps entlassen werden musste, da er sich unerlaubt von der Truppe entfernt hatte. Im selben Jahr steuerte die Band das Lied Pet Sematary zum Soundtrack der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Stephen King bei (deutscher Titel: Friedhof der Kuscheltiere). Der weiter ausbleibende große Erfolg zu Zeiten von Bands wie Nirvana, Pearl Jam und The Offspring, die alle mehr oder weniger von den Ramones beeinflusst waren, führte dazu, dass die Band sich im Jahre 1996, nach insgesamt zweiundzwanzig Jahren Karriere, schließlich auflöste. Eines der letzten Konzerte fand in Buenos Aires statt. Im Vorprogramm spielten Iggy Pop und Die Toten Hosen, zudem stand die damals noch wenig bekannte Band Rammstein zwischen dem 23. und 30. Januar 1996 bei acht Deutschlandkonzerten der Adios Amigos Tour der Ramones als Special Guest auf der Bühne.[6] Das letzte Konzert fand am 6. August 1996 im Palace in Hollywood[7] statt.

2001 starb Joey Ramone nach langer Krankheit an Lymphdrüsenkrebs; vorher hatte er noch Gelegenheit, seine Solo-Platte Don’t Worry About Me fertigzustellen, die posthum erschien. 2012 erschien von Joey Ramone ein weiteres „lost album“ namens …Ya Know!, für das Demoaufnahmen verwendet wurden. Dee Dee Ramone bekam seine langjährige Drogenabhängigkeit nicht in den Griff und starb 2002 an einer Überdosis Heroin (Chinese Rock). Johnny Ramone starb 2004 an Prostatakrebs. Tommy Ramone starb am 11. Juli 2014 an Gallengangskrebs.

Bedeutung

Viele Rockbands nennen die Ramones als einen ihrer Einflüsse. Motörhead haben den Ramones 1991 mit R.A.M.O.N.E.S. ihre Anerkennung erwiesen, viele andere Bands haben Coverversionen der Ramones im Programm. Mehrere Tribut-Sampler existieren, der bekannteste ist die im Jahre 2004 erschienene Sammlung We’re A Happy Family – A Tribute To Ramones, auf der Bands wie Metallica, die Red Hot Chili Peppers, Rob Zombie, Kiss, U2 und Marilyn Manson vertreten sind.

Auch von Musikjournalisten wurde die Gruppe ausgiebig gewürdigt. Beispielsweise fanden sich die Ramones in der Februar-Ausgabe des US-Musikmagazins Spin auf Platz zwei in einer Liste der „Greatest Band of all Time“, hinter den Beatles und vor Led Zeppelin. In den verschiedenen Listen der Zeitschrift Rolling Stone tauchten die Ramones ebenfalls auf, unter anderem zweimal bei den besten Alben aller Zeiten (Ramones auf Platz 33, Rocket to Russia auf Platz 105) sowie auf Rang 26 der 100 größten Musiker aller Zeiten.[8]

Das Ramones-Museum in Berlin

2002 wurden die Ramones in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.[9] Im September 2005 eröffnete in Berlin das weltweit erste Ramones-Museum. Am 10. Mai 2005 startete in Berlin unter der Regie von Jörg Buttgereit das Ramones-Musical Gabba Gabba Hey – A Lower East Side Love Story mit Jürg Plüß und Katja Götz in den Hauptrollen und Rolf Zacher in mehreren Nebenrollen.

Im Februar 2011 wurden die Ramones von der National Academy of Recording Arts and Sciences mit einem Grammy Lifetime Achievement Award für ihr Lebenswerk geehrt.[10]

Vier Vertreter einer ausgestorbenen Trilobitengattung wurden nach den Ramones benannt: Mackenziurus johnnyi, M. joeyi, M. deedeei und M. ceejayi.

Stephen King ist ein Fan der Band und lässt in seinen Büchern oft die Ramones auftauchen; für die Verfilmung (1989) des Romans Friedhof der Kuscheltiere komponierte die Band den Titelsong (Pet Sematary), für das Sequel (1992) steuerten sie den Song Poison Heart bei. Auch für mehrere weitere Filme, z. B. Bowling for Columbine (2002; What A Wonderful World), Terminator: Genisys (2015; I Wanna Be Sedated), Shazam! (2019; I Don't Want To Grow Up), werden Lieder der Ramones als Filmmusik verwendet.

In der Zeichentrickserie Oggy und die Kakerlaken wurden die Kakerlaken nach den Bandmitgliedern benannt.

In der Simpsons-Episode Rosebud (dt. Titel: Kampf um Bobo; Staffel 5) hat die Band einen Auftritt, bei dem sie Mr. Burns ein Geburtstagsständchen vorträgt. Darüber hinaus werden in weiteren Folgen der Serie Musikstücke der Band eingespielt.[11]

Diskografie

Literatur

  • Steven Lee Beeber: Die Heebie-Jeebies im CBGB’s. Die jüdischen Wurzeln des Punk. Ventil Verlag, Mainz 2008, ISBN 978-3-931555-64-1.
  • Jim Bessman: Ramones. An American Band. St. Martin’s Press, New York 1993, ISBN 0-312-09369-1 (englisch).
  • Chip Rock Dayton: Ramones. Photographs by Chip Dayton. Omnibus Press, London 2004, ISBN 1-903399-81-5 (englisch).
  • Legs McNeil, Gillian McCain: Please Kill Me. Die unzensierte Geschichte des Punk. Hannibal Verlag, Höfen 2004, ISBN 3-85445-237-3.
  • Monte A. Melnick mit Frank Meyer: Auf Tour mit den Ramones. Hannibal Verlag, Höfen 2010, ISBN 978-3-85445-327-7 (Originalausgabe: On The Road With The Ramones)
  • Dick Porter: Ramones. The Complete Twisted History. Plexus Publishing, London 2004, ISBN 0-85965-326-9 (englisch).
  • Dee Dee Ramone, Veronica Kofman: Lobotomy. Surviving the Ramones. Thunder’s Mouth Press, New York 2000, ISBN 1-56025-252-9 (englisch).
  • Dee Dee Ramone: Legend Of A Rock Star. The Last Testament Of Dee Dee Ramone. Thunder’s Mouth Press, New York 2002, ISBN 1-56025-389-4 (englisch).
  • Jari-Pekka Laitio-Ramone: Heaven Needed A Lead Singer: Fans Remember Joey Ramone. Tmi Ramoniac, 2002, ISBN 951-98965-0-3 (englisch).
  • Jari-Pekka Laitio-Ramone: Rock In Peace: Dee Dee And Joey Ramone. Tmi Ramoniac, 2004, ISBN 951-98965-1-1 (englisch).
  • Jari-Pekka Laitio-Ramone: Ramones: Soundtrack Of Our Lives. Tmi Ramoniac, 2009, ISBN 978-951-98965-2-6. (englisch).
  • Everett True: Hey Ho Let’s Go. Die Story der Ramones. Bosworth Music, Berlin 2005, ISBN 3-86543-039-2.
  • Marky Ramone, Richard Herschlag: Punk Rock Blitzkrieg: My Life as a Ramone. Touchstone 2015, ISBN 978-1-4516-8775-0 (englisch).

Weblinks

Commons: Ramones – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Jason Heller: How 1978 Kicked Off the Explosion of Pop-Punk. In: vice.com. 26. Februar 2018, abgerufen am 9. Juni 2020 (englisch).
  2. Porter: Ramones – The Complete Twisted History. S. 6 (englisch).
  3. Johnny Ramone: Commando: the autobiography of Johnny Ramone,. Abrams Image, New York 2012, ISBN 978-0-8109-9660-1, S. 42 (englisch).
  4. True: Hey Ho Let’s Go – The Story of the Ramones. S. 14 (englisch).
  5. Melnick: On the Road with the Ramones. S. 32. Interview mit Johnny Ramone (englisch).
    Johnny Ramone führte Buch über alle wesentlichen die Band betreffenden Ereignisse.
  6. rammstein.de: History: Ramones-Tour 1996, abgerufen am 12. Oktober 2017.
  7. Siehe Text auf dem Livealbum We’re Outta Here (englisch).
  8. 100 Greatest Artists of All Time. Rolling Stone, 2. Dezember 2010, abgerufen am 8. August 2017 (englisch).
  9. Rock and Roll Hall of Fame; Ramones in der Rock and Roll Hall of Fame (englisch).
  10. Ramones honoured with lifetime achievement Grammy, www.torontosun.com, abgerufen am 10. Oktober 2011 (englisch).
  11. The Ramones. Simpsonspedia, 11. September 2019, abgerufen am 16. September 2019.

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Ramones ¦ Leave Home
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