Steve Earle auf dem Rudolstadt-Festival, 2018
Steve Earle mit seiner damaligen Ehefrau Allison Moorer auf dem Cambridge Folk Festival, 2007

Steve Earle (* 17. Januar 1955 in Fort Monroe, Virginia) ist ein US-amerikanischer Country-Sänger, Songwriter und Schriftsteller. Musikalisch wird er dem Alternative Country zugeordnet.

Leben

Steve Earle wurde am 17. Januar 1955 als Sohn eines Fluglotsen in Ft. Monroe, Virginia, geboren. Schon als 14-Jähriger spielte er in den „Coffeehouses“ in San Antonio, Texas. Nach eigener Aussage wurde er hier von der Hippie- und Anti-Vietnamkriegsbewegung in seiner Weltanschauung geprägt. In dieser Zeit lernte er auch Townes van Zandt kennen, mit dem ihn später eine Freundschaft verband. Seit 1981 arbeitete er als Songwriter für die Countrymusikindustrie in Nashville, Tennessee. Erst 1986 nahm er sein Debütalbum Guitar Town für MCA Records auf. Sein größter Erfolg war das Album Copperhead Road (1988), das sich bis heute über eine Million Mal verkaufte. Er war Teil einer kommerziell ausgerichteten, aber im Gegensatz zum Großteil der eher konservativen Country-Industrie linksliberalen Strömung, die sich am musikalischen und ästhetischen Image von Rockmusik orientierte (zu der u. a. auch Dwight Yoakam, k.d.lang und Lyle Lovett gehörten). 1991 lief sein Vertrag mit MCA aus. Earle sieht sich politisch als nicht parteigebundenen Sozialisten.[1]

Seit Anfang der 1990er-Jahre führte er einen langjährigen Kampf gegen seine schwere Alkohol- und Heroinsucht, die seine Gesundheit und seine Karriere sehr beeinträchtigte. Im Lied CCKMP sang er über seine Drogenerfahrungen. 1994 schaffte er ein Comeback mit dem Album Train a Comin’, das auf einem kleinen Independent-Label erschien. 1995 gründete er mit E-Squared Records seine eigene Plattenfirma. Die Partnerschaft mit Warner Brothers endete nach zwei Alben im Streit um die künstlerische Richtung. Als neuen Partner fand er Artemis Records. Er bezog sich beim Album The Mountain (1999) auf die altertümliche Bluegrass-Tradition der ersten Jahrhunderthälfte, orientierte sich sonst aber stärker in Richtung Rockmusik und Alternative Country. Seine Texte, die schon vorher mehrfach soziale Missstände thematisiert hatten, wurden nun noch sozialkritischer, so z. B. Christmas in Washington über Obdachlosigkeit und den notwendigen Widerstand gegen die gegenwärtigen politischen und sozialen Verhältnisse. Steve Earle engagierte sich auch verstärkt gegen die Todesstrafe, was sich in Liedern wie Billy Austin, Over Yonder (Jonathan’s Song) und Ellis Unit One (für den kritischen Hollywoodfilm Dead Man Walking) widerspiegelte.

Nach dem 11. September 2001 politisierte sich sein Image noch mehr. Das Album Jerusalem (2003) war umstritten, weil es mit dem John Walker’s Blues ein Lied aus der Perspektive des US-amerikanischen Taliban-Kämpfers John Walker Lindh enthielt, ebenso weitere sozial- und regierungskritische Lieder, die von konservativer Seite als „unpatriotisch“ betrachtet wurden. Mit dem Album griff er so in die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 verschärfte Patriotismus-Debatte ein und stellte eine blinde Gefolgschaft als Zeichen von Patriotismus in Frage.

Seine prononcierte linke politische Meinung und seine Ablehnung der von der Bush-Regierung geführten Kriege in Afghanistan und dem Irak machte Earle auf seinem Album The Revolution Starts…Now (2004) noch einmal unmissverständlich deutlich. Für dieses Album erhielt er 2005 den Grammy Award in der Rubrik „Best Contemporary Folk Album“. 2006 zog Steve Earle mit seiner sechsten Ehefrau aus sieben Ehen (mit einer war er zweimal verheiratet), der Sängerin und Musikerin Allison Moorer, einer Schwester der Sängerin Shelby Lynne, nach New York City. Einige Lieder des Albums Washington Square Serenade (2007) hatten in der Folge New York City zum Thema. Für dieses Album erhielt Earle 2008 den Grammy Award in der Kategorie „Best Contemporary Folk/Americana Album“.

Steve Earle ist auch als Songwriter für andere Künstler tätig sowie als Musikproduzent und hat 2008 für Joan Baez das Album Day after Tomorrow produziert und auch Lieder beigesteuert. In dem Lied God is God fasst er den Glauben an Gott in schlichte Worte.[2] Darüber hinaus ist er mehrfach als Schauspieler in Film und Fernsehen aufgetreten, unter anderem als Drogenabhängiger in mehreren Folgen der Fernsehserie The Wire. Er hat drei Söhne von drei verschiedenen Ehefrauen, den jüngsten 2010 geborenen mit Moorer. Seine Schwester Stacey Earle und sein erstgeborener Sohn Justin Townes Earle († 2020[3]) sind ebenfalls im Alternative-Country-Bereich tätig und mehrfach mit Steve Earle aufgetreten. 2011 erschien von ihm der Roman I’ll Never Get Out of This World Alive.

Galway Girl

Galway Girl (ursprünglich The Galway Girl) ist ein Song von Steve Earle, der auf seinem Album Transcendental Blues im Jahr 2000 veröffentlicht wurde. Bei der Aufnahme wirkten Musiker aus Galway mit, unter anderem Sharon Shannon.[4] Earle schrieb den Song inspiriert von Ereignissen während seines Aufenthalts in Irland.[5] Der Song beschreibt eine unglückliche Liebe zu einem Mädchen aus Galway mit schwarzen Haaren und blauen Augen.

Eine Coverversion von Sharon Shannon mit dem irischen Sänger Mundy wurde 2008 ein Nummer-eins-Hit und die meistverkaufte Single des Jahres in Irland. Der Song wurde oft gecovert. Er wurde unter anderem im Film P.S. I Love You und in einer Werbung für Magners Cider verwendet. 2017 hat Ed Sheeran einen eigenen Song mit demselben Titel herausgebracht.[6]

Diskografie

Studioalben

JahrTitelHöchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[7][8]
(Jahr, Titel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
DE DECH CHUK UKUS USCoun­try Coun­try
1986Guitar TownUS89
Gold
Gold

(20 Wo.)US
Coun­try1
(72 Wo.)Coun­try
Platz 489 der Rolling-Stone-500
1987Exit 0UK77
(2 Wo.)UK
US90
(14 Wo.)US
Coun­try15
(54 Wo.)Coun­try
Steve Earle & the Dukes
1988Copperhead RoadUK42
Silber
Silber

(8 Wo.)UK
US56
Gold
Gold

(28 Wo.)US
Coun­try7
(33 Wo.)Coun­try
1990The Hard WayCH40
(2 Wo.)CH
UK22
(4 Wo.)UK
US100
(9 Wo.)US
Steve Earle & the Dukes
1991Shut Up and Die Like an AviatorUK63
(1 Wo.)UK
Steve Earle & the Dukes
Livealbum
1995Train A-Comin’UK76
(2 Wo.)UK
1996I Feel AlrightUK44
(3 Wo.)UK
US106
(4 Wo.)US
1997El corazónUK59
(1 Wo.)UK
US126
(2 Wo.)US
1999The MountainUK51
(2 Wo.)UK
US133
(3 Wo.)US
Coun­try19
(12 Wo.)Coun­try
Steve Earle and the
2000Transcendental BluesUK32
(1 Wo.)UK
US66
(4 Wo.)US
Coun­try5
(33 Wo.)Coun­try
2002SidetracksUS109
(1 Wo.)US
Coun­try9
(12 Wo.)Coun­try
Sammelalbum mit seltenen und bislang unveröffentlichten Songs
JerusalemUK78
(1 Wo.)UK
US59
(3 Wo.)US
Coun­try7
(24 Wo.)Coun­try
2003Just an American Boy: The Audio DocumentaryCoun­try43
(27 Wo.)Coun­try
Livealbum
2004The Revolution Starts NowUK66
(1 Wo.)UK
US89
(3 Wo.)US
Coun­try12
(11 Wo.)Coun­try
2007Washington Square SerenadeUK55
(1 Wo.)UK
US79
(3 Wo.)US
Coun­try10
(21 Wo.)Coun­try
2009TownesUK37
(1 Wo.)UK
US19
(6 Wo.)US
Coun­try6
(22 Wo.)Coun­try
2011I’ll Never Get Out of This World AliveUK28
(1 Wo.)UK
US24
(4 Wo.)US
Coun­try4
(20 Wo.)Coun­try
2013The Low HighwayUK30
(2 Wo.)UK
US39
(3 Wo.)US
Coun­try12
(14 Wo.)Coun­try
Steve Earle & the Dukes (& Duchesses)
2015TerraplaneUK30
(1 Wo.)UK
US39
(2 Wo.)US
Coun­try3
(7 Wo.)Coun­try
Steve Earle & the Dukes
2016Colvin & EarleCH70
(1 Wo.)CH
US128
(1 Wo.)US
Coun­try13
(15 Wo.)Coun­try
2017So You Wannabe an OutlawCH50
(1 Wo.)CH
UK48
(1 Wo.)UK
US102
(1 Wo.)US
Coun­try15
(1 Wo.)Coun­try
Steve Earle & the Dukes
2019GuyDE99
(1 Wo.)DE
CH25
(1 Wo.)CH
UK49
(1 Wo.)UK
US107
(1 Wo.)US
Coun­try14
(1 Wo.)Coun­try
Steve Earle & the Dukes
2020Ghosts of West VirginiaCH33
(1 Wo.)CH
UK61
(1 Wo.)UK
Steve Earle & the Dukes
2021J.T.DE48
(1 Wo.)DE
CH37
(1 Wo.)CH
Coun­try33
(1 Wo.)Coun­try
Steve Earle & the Dukes

Kompilationen

  • Early Tracks (1987)
  • Essential Steve Earle (1993)
  • Ain’t Ever Satisfied: The Steve Earle Collection (1996)
  • Angry Young Man: The Very Best of Steve Earle (1999)
  • The Devil’s Right Hand: An Introduction to Steve Earle (2001)
  • The Collection (2002, UK:SilberSilber)
  • 20th Century Masters – The Millennium Collection: The Best of Steve Earle (2003)
  • Guitar Town – 30th Anniversary Edition

Livealben

  • BBC Radio 1 Live in Concert (1992)
  • Together at the Bluebird Café (mit Townes Van Zandt & Guy Clark, 2001)
  • Live from Austin, TX (2004)
  • Live at Montreux 2005 (2006)
  • Down at the Club (2014)

Singles

JahrTitel
Album
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen[7]
(Jahr, Titel, Album, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
UK UKCoun­try Coun­try
1983Nothin’ But You
Coun­try70
(4 Wo.)Coun­try
1984What’ll You Do About Me
Coun­try76
(6 Wo.)Coun­try
1986Hillbilly Highway
Guitar Town
Coun­try37
(13 Wo.)Coun­try
Guitar Town
Guitar Town
Coun­try7
(22 Wo.)Coun­try
Someday
Guitar Town
Coun­try28
(15 Wo.)Coun­try
1987Goodbye’s All We’ve Got Left
Guitar Town
Coun­try8
(19 Wo.)Coun­try
Nowhere Road
Exit 0
Coun­try20
(16 Wo.)Coun­try
Sweet Little ’66
Exit 0
Coun­try37
(13 Wo.)Coun­try
1988Copperhead Road
Copperhead Road
UK45
(6 Wo.)UK
Johnny Come Lately
Copperhead Road
UK75
(6 Wo.)UK
Six Days on the Road
Planes, Trains and Automobiles (Soundtrack)
Coun­try29
(13 Wo.)Coun­try
Steve Earle & the Dukes
1990The Other Kind (Back out on the Road Again)
The Hard Way
UK88
(3 Wo.)UK
Justice in Ontario
The Hard Way
UK91
(1 Wo.)UK
Steve Earle & the Dukes
1997Johnny Too Bad
UK82
(1 Wo.)UK
Steve Earle &
2008The Galway Girl
UK67
(4 Wo.)UK
Sharon Shannon & Steve Earle

Weitere Singles

  • Squeeze Me In (1984)
  • A Little Bit in Love (1985)
  • I Ain’t Ever Satified (1987)
  • Back to the Wall (1988)
  • I Feel Alright (1996)
  • More Than I Can Do (1996)
  • Telephone Road (1997)

Schriften

  • Doghouse Roses (2002), Sammlung von Kurzgeschichten.
  • I’ll Never Get Out of This World Alive (2011), Roman.

Quellen

  1. Interview im BlackBook Magazine (englisch), publiziert am 27. Januar 2010, abgerufen am 9. Juli 2010
  2. Text von God is God (englisch), metrolyrics.com, abgerufen am 9. Juli 2010
  3. Ben Sisario: Justin Townes Earle, Singer-Songwriter in Father’s Footsteps, Dies at 38. In: The New York Times. 24. August 2020, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 13. Januar 2021]).
  4. MP3 Podcast with Mundy and Sharon Shannon (MP3), RTÉ 2fm. Abgerufen am 14. Mai 2008. 
  5. Dan Ouellette: Steve Earle, Transcendentalist. In: San Francisco Chronicle, 6. August 2000. Abgerufen am 14. Mai 2008. 
  6. Galway Girl - you mean the Steve Earle song…no I mean the Ed Sheeran song…Pardon me? thesession.org (englisch), abgerufen 4. Juni 2017
  7. a b Chartquellen: DE US (Billboard) UK CH
  8. Auszeichnungen für Musikverkäufe: US UK

Weblinks